[NEWS] Nominierung Goldener Stephan 2022

Hallo ihr Lieben,

nachdem es die Kinderträume bereits unter die Finalisten der Kategorie “Kurzprosa” beim Selfpublishing Buchpreis geschafft haben, habe ich gestern zufällig entdeckt, dass sie es auch in de Endrunde des Golden Stephans geschafft habe, der auf der Bu-Con verliehen wird. Damit habe ich so gar nicht gerechnet – umso mehr freue ich mich, dass es die queere Anthologie zusammen mit der Anthologie “Urban Fantasy going queer” (in der meine Kurzgeschichte “Ein neuer Weg” enthalten ist) in die Endrunde geschafft hat.

Jetzt seid ihr gefragt – denn man kann die kommenden 2 Wochen (bis zum 18.10.) für die besten Bücher, Comics und Anthologien abstimmen. Ich würde mich freuen, wenn ihr der Anthologie eure Stimme gebt. Und wer sich fragt, wie fantastisch die Kurzgeschichten tatsächlich sind – die meisten Geschichten in der Anthologie haben einen fantastischen Einschlag 😉

Hier der Link zur Abstimmung:
https://www.nerds-gegen-stephan.de/archives/1332-GOLDENER-STEPHAN-2022-Publikumspreis-fuer-Eskapismus,-Nerdkultur-Phantastik-PENP-BuCon-Edition-Die-Hauptrunde-fuer-Literatur-Comics-ist-gestartet.html

Am Samstag werden die Gewinner auf der Bu-Con gekürt – wir werden auf jeden Fall vor Ort sein und sind gespannt, auf welchem Platz wir landen 🙂

Viele Grüße,
Juliane

[NEWS] Selfpublishing Buchpreis – Finalist Kategorie Kurz-Prosa

Hallo in die Runde,

gestern Abend wurden die Finalisten in der Kategorie “Kurz-Prosa” des Selfpublishing Buchpreises 2022 bekanntgegeben und ich freue mich ungemein, dass es unsere Kinderanthologie “Kinderträume” unter die besten 5 geschafft hat. Ich hatte im Frühjahr beide Anthologien eingereicht und sehr darauf gehofft, dass es zumindest eine der beiden Anthos unter die Finalisten schafft. Dieser Wunsch ist gestern Abend erfüllt worden:
https://selfpublishing-buchpreis.de/shortlist-2022/

Hier eine Jury-Stimme:
„In Träumen gibt es nichts, was es nicht gibt, und im wahren Leben sollte es auch so sein. Diese wundervoll queeren Geschichten zeigen, wie das geht.“

Wer Lust hat, einen Blick in die Bekanntgabe der Shortlist, sowie der Finalisten der Sonderkategorie des Selfpublishing Buchpreises 2022 zu werfen, kann das Video auf Youtube anschauen (die Finalisten der Kurz-Prosa Kategorie werden nach 1 Stunde und 4 Minuten Laufzeit bekanntgegeben, unsere Anthologie wird nach 1 Stunde, 20 Minuten vorgestellt) Hier wird noch mehr zur Anthologie gesagt:
https://youtu.be/4nrrZYpBs8k

Ich bin überglücklich und wahnsinnig stolz, dass es die Anthologie so weit geschafft haben. Am 22.10.2022 werden die Preisträger auf der Buchmesse Frankfurt verkündet – Tanja und ich werden auf jeden Fall bei der Preisverleihung dabei sein 🙂

An dieser Stelle bleibt nur zu sagen – vielen Dank an an die Autor*innen und Illustratorinnen der Anthologie für eure Unterstützung  – ihr habt es überhaupt erst möglich gemacht, auf die Liste zu kommen. Jetzt heißt es Daumen drücken, dass es vielleicht zum ersten Platz reicht 🙂

Viele Grüße,
Juliane

[NEUERSCHEINUNG] Wie ein bunter Traum – Benefizanthologien

Hallo in die Runde,

heute wird mein Blog “Like a Dream” stolze 21 Jahre alt – heute erscheinen pünktlich zum Bloggeburtstag die beiden Benefizanthologien:

Wie ein bunter TraumKinderträume

Wie ein bunter TraumTeenie-Träume

Ich kann gar nicht sagen, wie glücklich ich bin. Diese beiden Anthologien bedeuten mit enorm viel, denn sie richten sich an Zielgruppen, für die es nur wenig queere Bücher und Geschichten gibt. Es war schon immer mein Traum, ein solches Projekt für Kinder ab 10 Jahren anzugehen. Zugegeben, es war alles andere als einfach, hat mich enorm viel Kraft und Energie gekostet und sämtliche andere Romanprojekte zum Stillstand gebracht, doch nach all den Monaten harter Arbeit, kann ich nicht glücklicher mit dem Ergebnis sein. Beide Bücher sind etwas Besonderes, ich würde sogar sagen, sie füllen eine Marktlücke.

Heute erscheinen die beiden Anthologien als eBooks auf allen gängigen Plattformen – die Taschenbücher folgen binnen der nächsten 2 Wochen und sind dann überall im Buchhandel bestellbar. Ich bedanke mich bei allen, die mich die letzten anderthalb Jahre tatkräftig unterstützt haben (denn so lange haben mich die beiden Anthologien letztendlich begleitet) – die Autor*innen, denn ohne euch gäbe er die Anthologie nicht, die Illustratorinnen Tanja Meurer und Mo Kast, die für jede Geschichte fantastische Zeichnungen angefertigt haben, Mo Kast, die sich zudem für die komplette Gestaltung des Taschenbuches und der vielen tollen Gimmicks verantwortlich zeigt, Annette Juretzki, die zuverlässig den Satz der Taschenbücher übernommen hat, Jana Walther, die auch dieses Mal die eBooks erstellt hat und Manu Ancutici, die die liebe Mo unterstützt hat, als die Design-Aufgaben doch Überhand nahmen. Nicht vergessen möchte ich den Autor*innen Katharina Gerlach, Susanne Eisele und Tanja Meurer, die mich bei Lektorat und Korrektorat unterstützt haben.

Alle Einnahmen kommen dem Queer Lexikon e.V. zugute

Nun hoffe ich, dass die beiden Anthologien ihren weg zu vielen, begeisterten Leser*innen finden, ganz gleich wie alt sie sind. Dass die Geschichten verzaubern können, zum nachdenken anregen und vielleicht auch die Möglichkeit darüber zu sprechen.

Wer in die Bücher schnuppern will, kann sich hier die Leseproben herunter laden oder ist heute Abend und/oder am Donnerstag bei #allabendlichqueer dabei, wo einige Autor*innen und ich die beiden Anthologien vorstellen werden. Heute stehen die “Kinderträume” im Zentrum, am Donnerstag geht es mit den “Teenie-Träumen” weiter. #allabendlichqueer findet als Zoom-Meeting statt und startet jeweils 19:30 Uhr. Hier könnt ihr euch einloggen:

Linkadresse: Zoom-Zugangslink
Meeting-ID: 837 4443 5179
Kenncode: 617338

Ich wünsche euch einen wundervollen Tag und würde mich freuen, euch heute Abend zu sehen 

Viele Grüße,
Juliane

[VORBESTELLAKTION] Wie ein bunter Traum 1 & 2

Hallo in die Runde,

in einer guten Woche erscheinen die beiden Benefizanthologien “Wie ein bunter Traum – Kinderträume” und “Wie ein bunter Traum – Teenie-Träume”. Während die eBooks bereits überall vorbestellbar sind und auch die liebevoll gestalteten Taschenbücher demnächst erhältlich sind, haben wir uns etwas ganz Besonderes für eure Kinder und euch ausgedacht – eine “Wie ein bunter Traum” Buchbox, die exklusiv für Vorbesteller bis zum 04.04.2022 erhältlich ist:

Freut euch auf eine bunte Box voller Überraschungen und exklusiver Gimmicks rund um die beiden Anthologien “Wie ein bunter Traum”. Die Box ist nur auf Vorbestellung erhältlich, da die Gimmicks entsprechend der Vorbestellungen produziert und bestellt werden. Über Folgendes könnt ihr euch freuen:

  • Wie ein bunter Traum – Kinderträume (Taschenbuch)
  • Wie ein bunter Traum – Teenie-Träume (Taschenbuch)
  • Postkartenset (4 Postkarten)
  • Buttons (2 Buttons)
  • Lesezeichen
  • Notizblöcke (2 Stück)
  • Plüsch Schlüsselanhänger
  • Holzkreisel
  • Regenbogen Armband
  • Regenbogen Radiergummi
  • Regenbogenstift

Die Buchbox kostet 40,-€ exkl. Versand – dieser beträgt 6,-€ als versichertes Paket.

Bis zum 04.04.2022 sind Vorbestellungen bei mir im Shop oder via Mail an Koriko@gmx.de möglich, der Versand erfolgt vor Ostern als versichertes Paket, so dass sich die Buchbox wunderbar als Ostergeschenk eignet.

Wir freuen uns über eure Vorbestellungen 

[NEWS] Wie ein bunter Traum Anthologien

Hallo in die Runde,

zum 20. Geburtstag meines Blogs “Like a Dream” habe ich verraten, dass es eine weitere Benefizanthologie geben wird, zum Weltkindertag im September wurde der Titel der neuen Anthologie bekannt gegeben – nun wird es Zeit euch noch ein wenig mehr über das Projekt zu schreiben, das mich seit über anderthalb Jahren begleitet und mir enorm am Herzen liegt. Das wichtigste zuerst – es wird nicht nur eine Anthologie geben, sondern zwei, denn die vielfältigen Geschichten waren zu umfangreich für eine einzige Anthologie. Daher werden am 29.03.2022 zwei Benefizanthologien unter dem Haupttitel “Wie ein bunter Traum” erscheinen:

Genre: queere Kurzgeschichten ab 10 Jahren
Umfang: 340 Seiten
Preis: 4,99 Euro (eBook) / 15,00 Euro (Taschenbuch)
Erscheinungstermin: 29.03.2022

Klappentext:
Ein Biss in ein Törtchen, der alles verändert. Eine Reise durchs Weltall, die dich zu dir selbst führt. Ein goldener Ritter, der nicht das ist, was er zu sein scheint. Unausgesprochene Worte, die sich in bunte Mäuse verwandeln …

Traust du dich, dich auf diese und viele weitere fantastische Abenteuer einzulassen? In diesem Buch gibt es keine Grenzen – weder für deine Träume noch dafür, wer du bist oder wen du liebst.

Entdecke neun kunterbunte Geschichten, in denen Kinder in die Vergangenheit reisen, gegen Monster kämpfen und sich ihren Ängsten stellen, um zu zeigen, wer sie sind. Eine verträumte Anthologie für Leseratten ab 10 mit Geschichten jenseits aller Schubladen von Dima von Seelenburg, Ria Winter, Lydia Junker, Katharina Gerlach, Susanne Eisele, Lena M. Brand, Judith Vogt, Hanna Nolden und Juliane Seidel.

Der Erlös aus den Verkäufen geht an den Verein „Queer Lexikon“, eine Online-Anlaufstelle für Kinder und Jugendliche, die Fragen zu romantischer, sexueller und geschlechtlicher Vielfalt haben.

Genre: queere Kurzgeschichten ab 12 Jahren
Umfang: 372 Seiten
Preis: 4,99 Euro (eBook) / 15,00 Euro (Taschenbuch)
Erscheinungstermin: 29.03.2022

Klappentext:
Was, wenn Fuchs und Krähe dir den Weg zu dir selbst weisen? Wenn du miterlebst, wie wahre Held*innen geboren werden? Wenn du dich in jemanden verliebst, der dasselbe Geschlecht hat wie du – oder überhaupt in niemanden?

Dieses Buch lädt dich ein, die Flügel deiner Fantasie auszustrecken und die Welt in all ihren Farben zu erkunden. Voller Menschen, die leben und lieben, wie sie es wollen. Für welchen Traum schlägt dein Herz?

Begib dich auf eine fantastische Reise durch neun regenbogenbunte Geschichten. Hier findest du alltägliche und übernatürliche Gefahren, gute Freund*innen – und vielleicht sogar dich selbst. Eine Anthologie für Lesebegeisterte ab 12 mit Geschichten jenseits aller Schubladen von Noah Stoffers, Jannis Plastargias, Mo Kast, Yansa Brünnling, Jennifer Hauff, Leonie Below, Casjen Griesel, Andi Bottlinger und Tanja Meurer.

Der Erlös aus den Verkäufen geht an den Verein „Queer Lexikon“, eine Online-Anlaufstelle für Kinder und Jugendliche, die Fragen zu romantischer, sexueller und geschlechtlicher Vielfalt haben.

Jede Anthologie enthält 9 kunterbunte, queere Kurzgeschichten – die Anthologie “Kinderträume” für Kinder ab 10, “Teenie-Träume” für Jugendliche ab 12. Ich kann gar nicht in Worte fassen, wie dankbar ich den 18 Autor*innen für ihre wunderschönen Geschichten bin, den beiden Illustratorinnen für die aufwendige und gelungene Gestaltung und den beiden Setzerinnen, die eBook und Taschenbuch in Form gebracht haben.

Mein eigener Beitrag “Der goldene Ritter” wird in der Anthologie “Kinderträume” enthalten sein und ich bin schon sehr gespannt, wie jungen und älteren Leser*innen die Geschichte gefallen wird. Sie liegt mir ebenso am Herzen, wie die beiden Anthologien, in die seit Winter 2020 viel Zeit und Energie geflossen ist. Ich verspreche nicht zu viel, wenn ich sage, dass die beiden Bücher noch schöner und aufwendiger sein werden, als “Like a Dream” und “Like a (bad) Dream”.

Mehr erfahrt ihr in den kommenden Wochen und Monaten 🙂

Ich wünsche euch einen schönen Sonntag. 🙂

[NEWS] Vergangenes und Aktuelles

Hallo in die Runde,

meine Einträge hier erfolgen nur noch sporadisch, dennoch will ich einmal mehr ein bisschen aus dem “Nähkästchen” plaudern. Die letzten Monate war viel los bei mir – zum einen erschienen zwei Anthologien, in denen Kurzgeschichte von mir enthalten sind, zum anderen läuft die Arbeit an meiner nächsten Benefizanthologie “Wie ein bunter Traum” auf Hochtouren. Die letzten Geschichten wurden lektoriert und Korrektur gelesen, finale Informationen zusammengetragen und natürlich auch Illustrationen angefertigt (keine Sorge, letzteres nicht von mir ;). Inzwischen befinden sich die Geschichten im Satz, am Cover wird gearbeitet (wahrscheinlich kann ich euch beim nächsten Eintrag mehr präsentieren) und auch das eBook wird in den nächsten Wochen für die Veröffentlichung vorbereitet.

Ich freue mich extrem auf diese Anthologie – in ihr steckt noch mehr Arbeit, Liebe und Herzblut, als in den vorherigen Anthologien und ich hoffe sehr, dass sie von Kindern und Jugendlichen gekauft wird.

Parallel dazu habe ich an zwei weiteren Kurzgeschichten gearbeitet, die im Herbst/Winter 2021 erschienen sind. Beide gehören am Rande zu meiner “Nachtschatten”-Reihe (die Schutzengel lassen mich einfach nicht los ;)) und ich freue mich sehr, dass sie in den beiden Anthologien Berücksichtigung fanden. Wer also Lust auf ein bisschen Urban Fantasy hat, dem seien die Anthologien ans Herz gelegt – euch erwarten zum einen fantastische Kurzgeschichten zum Thema Himmel und queere Urban Fantasy Abenteuer.

Anthologie: When skies are falling
Tagträumer Verlag, Dezember 2021
ISBN: 979-8782501105
Bestellmöglichkeit: Amazon

Klappentext:
Jagen Wolkenwesen durch den Himmel, trägt uns der Wind in ferne Welten …

Fliegende Donnerhaie, blutrünstige Harpyien und Magie – 14 Geschichten erzählen uns von unendlichen Weiten, der Freiheit der Lüfte und der Gewalt ihrer Stürme. Sie künden von unergründlichen Träumen, vom Fliegen und der Angst, ins Bodenlose zu fallen.

Mein Beitrag: Geisterspuren
Sommerliche Hitze hält Berlin gefangen – nur die Studentin Jo träumt von Eis und Schnee, und davon im Wald zu erfrieren. Als sie sogar von einem Geist verfolgt wird, der sie darauf drängt, in den Wald zu folgen, findet sie nicht nur die Überreste einer jungen Frau, sondern entdeckt auch ein Geheimnis, das ihr gesamtes Leben auf den Kopf stellt.  Ähnlich wie die Kurzgeschichte “Ein neuer Traum” gehört auch “Geisterspuren” am Rande zum “Nachtschatten”-Kanon, legt jedoch die Grundlage für eine neue Heldin und neue Abenteuer.

Anthologie: Urban Fantasy going queer
Art Skript Phantastik, Oktober 2021
ISBN: 978-3945045541
Bestellmöglichkeit: Amazon

Klappentext:
Das Genre der Marginalisierten und zur Unsichtbarkeit Verdonnerten, die für ihre Repräsentation und Existenz in der Gesellschaft viele Kämpfe austragen müssen. Wie die Kämpfe von Queers wegen Blutspendenverbote, Hassverbrechen, geschlechtlicher und sexueller Anerkennung, Selbstbestimmungsgesetze, Adoptionsrechte, Asylrechte, gegen Fetischisierung, Pathologisierung und, und, und … In dieser Anthologie versammeln sich Kurzgeschichten von offen queeren Autor*innen der deutschsprachigen Phantastik-Szene. Sie vermengen gesellschaftspolitische Themen unseres modernen Alltags mit magischen Einzelschicksalen und leisten jenseits des unterhaltenden Lesevergnügens auch einen wichtigen Beitrag: Wir sind mehr als unsichtbare Marginalisierte!

Mein Beitrag: Ein neuer Traum
Der Journalist Noah beobachtet eines Nachts etwas Seltsames vom Balkon seiner Wohnung aus – den Kampf zwischen einem Tiger und einem Wolf, mitten im Wiesbadener Westend. Als er den Vorfall recherchiert, stolpert er über die Existenz von Wesen, die es nicht geben sollte … Die Kurzgeschichte gehört ganz am Rande zur “Nachtschatten”-Reihe, kann aber unabhängig der Geschichten um Lily und ihren Schutzengel Adrian gelesen werden.

Weitere Informationen – gerade zu “Wie ein bunter Traum” folgen 🙂
Und wenn das Projekt endlich erschienen ist, kann ich mich wieder meinen größeren Buchprojekten und der ein oder anderen Kurzgeschichte widmen. Bis dahin erfahrt ihr alles schnell und direkt auf meinem Instagram und Facebook Profil 🙂

Viele Grüße,
Juliane

[KURZGESCHICHTE] Ein neuer Freund

Ein Schlag genügte, um den grauen Wolf niederzustrecken, dem sie seit Tagen auf der Spur waren. Ravin bedauerte, dass er seinen Gegner so schnell außer Gefecht gesetzt hatte. Er hätte ihm die Chance auf einen Gegenangriff geben oder den schmalen Kopf des Wolfes absichtlich verfehlen sollen – dann wäre es wenigstens zu einem kurzen Kampf gekommen, bei dem er sich hätte austoben können.

Stattdessen war die Jagd vorbei, kaum dass sie begonnen hatte und hinterließ ein Gefühl tiefer Unzufriedenheit. Was gäbe er dafür, in seiner Tigerform zu bleiben und laut brüllend durch das Unterholz zu jagen. Dass das seitens des Hohen Rates streng verboten war – geschenkt. Er verband sich sowieso viel zu selten mit seinem Schutzengel. Es glich einem Wunder, dass das Band zwischen Amita und ihm überhaupt noch bestand, so selten wie sie es erneuerten.

„Gut gemacht“, ertönte eine Stimme hinter ihm. Henri hatte sich genähert – wie immer vollkommen lautlos. Der Vampir huschte an ihm vorbei und beugte sich über den grauen Wolf. Ein leises Grollen kam ihm über die Lippen. Ravin wusste, dass Henri Werwölfe nicht mochte – einer der Gründe weswegen er sich bei dieser Jagd zurückgehalten hatte. Nicht dass es ihn stören würde … „Wir übergeben ihn dem Rat. Sie werden sich um ihn kümmern und dafür sorgen, dass er einem der hiesigen Rudel zugeordnet wird.“

Ravin legte den Kopf schief und näherte sich dem knieenden Mann. Er genoss den weichen Erdboden unter seinen Pfoten, vergrub seine scharfen Krallen in dem moosigen Untergrund. Am liebsten hätte er sich wie eine Katze gestreckt, doch das kam ihm unpassend vor.

„Wie lange willst du in dieser Form bleiben?“, fragte Henri und warf ihm einen nachdenklichen Blick zu. Da seine Augen blau fluorisierten und seine Eckzähne verlängert waren, war er noch immer mit seinem Schutzengel Claudine verbunden. Erst als das Glühen nachließ und sich die scharfgeschnittenen Züge des Vampirs glätteten, war sich Ravin sicher, dass Henri seine Verbindung mit Claudine beendet hatte.

Es kostete ihn Überwindung, sich von Amita zu trennen, doch schließlich ließ er sie gehen. Die Rückverwandlung in einen Menschen verlief schnell und schmerzlos, auch wenn er wusste, wie unelegant seine Verwandlung auf Außenstehende wirkte. Die Veränderungen des Knochenbaus, die Rückbildung des Fells und die Neubildung der Haut – wie bei jedem Werwesen war das kein schöner Anblick.

Nackt blieb er neben Henri hocken, nutzte den Moment, um sich an seinen menschlichen Körper zu gewöhnen. Mit einem Seufzen richtete er sich auf und streckte sich. Im Gegensatz zu dem Vampir, der die Zugeknöpftheit eines Adeligen aus den Zeiten der Französischen Revolution besaß, störte es Ravin nicht, ohne Kleidung zu sein – im Gegenteil. Er mochte einengende Kleidung nicht, ganz besonders die europäischen Hosen bereiteten ihm Probleme.

„Hier.“

Woher auch immer Henri den Dhoti zog, Ravin nahm das traditionell indischen Kleidungsstück mit einem Lächeln entgegen und schlang es sich geschickt um sie Beine.

Er hat es sich gemerkt, machte Amita auf sich aufmerksam. Sie schwebte neben ihm und betrachtete den Vampir neugierig. In ihren leuchtenden, großen Augen schimmerte eine Mischung aus Glück und Zufriedenheit. Sie strich sich das lange, dunkle Haar zurück. Gut zu wissen, dass er lernt, Rücksicht zu nehmen.

‚Schon möglich‘, entgegnete Ravin im Stillen. ‚Er gibt sich zumindest Mühe …‘

Du bist ein Pessimist. Wenn ich da an die anderen deutschen Jägerteams denke … Sie näherte sich Henri, der inzwischen sein Handy gezückt hatte und den Rat über den erfolgreichen Abschluss der Mission informierte. Binnen der nächsten halben Stunde wären einige loyale Wesen hier und würden den grauen Wolf mitnehmen. Henri meint es ehrlich und das weißt du. Du weißt, wie Verrat stinkt. Und er verströmt nichts davon.

‚Trotzdem …‘ Er brach ab und senkte den Blick. Es fiel ihm schwer, zu vertrauen. Dabei war nicht einmal die Tatsache, dass es sich bei Henri um einen Vampir handelte, ein Problem für ihn. Im Gegensatz zu den heimischen Werwölfen hatte er als Wertiger kein Problem mit Vampiren. Sie erinnerten ihn ein wenig an die blutsaugenden, monströsen Baital seiner Heimat, wenngleich die europäischen Vampire wesentlich schöner und charismatischer waren.

„Sie schicken jemanden. Bis sie kommen, müssen wir den Wolf im Auge behalten.“ Henri steckte sein Handy weg und sah sich kurz um, dann ließ er sich auf den moosigen Boden sinken und streckte die Beine aus. Mit einer fließenden Bewegung löste er das Haarband und schüttelte die braunen Locken aus. Das Licht der untergehenden Sonne zauberte rote Farbreflexe in die langen Strähnen. „Jetzt setz dich schon, Ravin. Mit etwas Pech werden wir bis in die Nacht hinein auf den Klärungstrupp warten müssen.“

Ravin kam der Aufforderung zögernd nach. Es war seltsam, mit dem Vampir allein zu sein. Normalerweise gingen sie zu viert auf Jagd, denn Henri verzichtete selten auf Leandras Stärke oder Georges Gewandtheit. Doch dieses Mal hatte er explizit nur ihn angefordert. Er konnte nicht einfach verschwinden, wie er es immer tat, sobald ein Auftrag erledigt war. Das war eine der Regeln, die Henri ihm zuerst genannt hatte – es blieben immer zwei zur Bewachung eines Wesens, bis der Klärungstrupp vor Ort war.

„Sich mit dir zu unterhalten, ist so spannend, wie mit einem Baum zu reden“, gab Henri frustriert von sich. Ravin spürte die bohrenden Seitenblicke, doch er wusste nicht, was er sagen sollte. „Du bis seit fast sechs Monaten Teil meines Teams und wir haben gefühlt nicht mehr als eine Hand voll Worte gewechselt. Ich weiß, dass du bei anderen Jägerteams viel durchgemacht hast, daher habe ich dir Zeit gegeben, dich einzugewöhnen, aber allmählich musst du auf uns zugehen. Wir müssen einander vertrauen, gerade wenn wir zusammen kämpfen wollen und so leid es mir tut – weder Leandra noch Georg sehen in dir eine Unterstützung. Das liegt auch daran, dass du zumeist allein agierst, was ich nicht immer gutheiße.“

‚Ich bin halt ein Einzelgänger …‘, schoss es Ravin durch den Kopf.

„Du bist zwar stark und besser als ein Werwolf, aber nicht wirklich teamfähig“, beendete Henri seine Ansprache. Er richtete seinen Blick auf die umstehenden Bäume, suchte die tiefer werdenden Schatten ihrer Umgebung nach möglichen Angreifern ab. Doch es blieb alles ruhig. Ravin wusste, dass niemand in er Nähe war – nicht einmal ein Tier wagte sich in die Nähe dieser kleinen Lichtung.

„Ich weiß …“, murmelte Ravin. Wie immer hatte er Probleme mit den deutschen Silben – sie fühlten sich rau und sperrig an, ein Grund weswegen er so selten den Mund aufmachte. Sein indischer Akzent war ihm unangenehm – als wären seine dunkle Hautfarbe und das lange, schwarze Haar nicht genug, um ihn von der Masse abzuheben. Er stach jedem ins Auge, dabei hasste er es im Mittelpunkt zu stehen. „Ich weiß auch, dass du meine Akte gelesen hast.“

„So viel konnte ich den Notizen nicht entnehmen, die es über dich gibt“, erwiderte Henri. Er pflückte eine kleine Blume und betrachtete eingehend die weiße Blüte. „Du warst in drei Jägerteams, bevor du zu uns kamst. Ich weiß nicht genau, warum sie dich ablehnten, aber die Anführer dürften dasselbe Problem gehabt haben, wie ich … Du lässt niemanden an dich heran und blockst jeden ab, der dir zu nahe kommt. So kann man auf Dauer nicht mit dir zusammen arbeiten.“

„Tiger sind Einzelgänger.“

„Das ist eine Ausrede!“

Ravin stieß ein Grollen aus. Er hasste es, so bedrängt zu werden. Warum sollte er sein Innerstes offenlegen und all diesen Wesen vertrauen, die ihm so fremd waren? Er wollte nicht hier sein! Und er wollte nicht mit den europäischen Nachtschatten zusammen arbeiten! In seiner Heimat gab es keine Jägerteams. Da war jedes Wesen auf sich allein gestellt, wenn es für einen Hohen Rat arbeitete. Nur in Europa gab es diese seltsamen Zusammenschlüsse von Vampiren, Werwesen, Menschen und Sidhe.

Es wird Zeit, dass du es endlich akzeptierst, Ravin, mischte sich Amita ein. Ihre Stimme klang strenger und barscher als sonst. Du kannst nicht zurück nach Indien, solange Rakeshs Bann noch aktiv ist – und ich bezweifle, dass er ihn jemals von dir nehmen wird. Also hör auf so stur zu sein und akzeptiere dieses Land als dein neues Zuhause. Du machst es dir nur schwer, wenn du diejenigen von dir stößt, die dir wirklich helfen wollen.

‚Hätte ich doch nur dieser Verbindung mit Nishay zugestimmt. Irgendwie wäre es mir gelungen …‘

… dieser Frau Kinder zu schenken? In einem heiligen Ritual eine weitere Generation Wertiger hervorzubringen? Du weißt so gut wie ich, dass nichts in dir diese Leidenschaft entfachen kann – weder Mann noch Frau. Amita schlang von hinten die Arme um ihn. Er spürte ihre sanfte, beruhigende Wärme, auch wenn sie so unstofflich wie ein Geist war. Ihre Gegenwart beruhigte sein wild schlagendes Herz. Du hast das Richtige getan, Ravin. Du hast ihr die Wahrheit gesagt, bevor ihr verheiratet wurdet. Es hätte euch beide zerstört, wenn du versucht hättest, deinen ehelichen Pflichten nachzukommen. Wobei es sie als Frau noch schlimmer getroffen hätte …

‚Mag sein, nur vergisst du, dass sie mich an Rakesh verraten hat! Wegen ihr wurde ich verbannt …‘ Ravin spürte heißen Zorn in sich aufwallen. Er legte sich wie ein bitterer Film auf seine Zunge. Warum war er so … kaputt? Warum verspürte er keinerlei Interesse an Sex? Hatten die Götter ihn verflucht, weil er in einem früheren Leben etwas Unaussprechliches getan hatte?

Du bist nicht kaputt, Ravin. Amita neigte sich über ihn, ein zorniges Funkeln in den großen Augen. Diese Gedanken will ich nie wieder mitbekommen.

„Ich stamme aus Frankreich“, riss Henri ihn plötzlich aus seinem inneren Monolog mit Amita. Irritiert sah er zu dem Vampir, dessen Blick ins Leere ging. Wahrscheinlich hatte auch er in den letzten Minuten mit seinem Schutzgeist gesprochen. „Im Juli 1789 fand mein Blutritual statt, das mich an Claudine band. Ich weiß nicht, ob du etwas über französische Geschichte weißt, aber es war ein wahrlich ungünstiger Zeitpunkt, um den Schritt vom Menschen zum Vampir zu machen. Während ich zum ersten Mal menschliches Blut trank und eins mit meinem Schutzengel wurde, tobten Schlachten in den Straßen von Paris. Damals hat sich Frankreich nach und nach verändert – die Macht des Adels schrumpfte, viele wurden hingerichtet.“ Mit einem Seufzen schüttelte Henri den Kopf. „So viele sind damals gestorben … meine Familie hat nur überlebt, weil wir rechtzeitig geflohen sind …“

„Warum erzählst du mir das alles?“, fragte Ravin. Er hatte den Vampir nie einschätzen können, jetzt fiel es ihm noch schwerer, hinter die Fassade des Mannes zu blicken. Henri tat nichts ohne Grund – warum also gab Henri ihm einen Einblick in seine Vergangenheit?

„Weil ich schwerlich von dir Offenheit verlangen kann, wenn du nichts über mich weißt. Ich bin im Vorteil, weil ich deine Akte gelesen habe, daher sorge ich für Ausgleich.“ Henris Blick wanderte zu den Wipfeln der Bäume. Der Himmel war zunehmend dunkler geworden, die ersten Sterne blitzten zwischen den Ästen auf. „Ich bin über 250 Jahre alt und lebe seit knapp 220 Jahren als Vampir. Mein Herz gehört Paris, aber ich habe Mainz schätzen und lieben gelernt … auch wenn die Bewohner manchmal etwas bäuerlich sind.“

„Warum lebst du dann hier?“

„Ich habe Paris wegen der Revolution hinter mir gelassen … ich habe zu viele Freunde sterben sehen. Und Frankreich … nun da spielen persönliche Gründe eine Rolle. Wenn du möchtest, erzähle ich dir, warum ich mich entschieden habe, mich in Deutschland niederzulassen.“ Henri schenkte ihm ein Lächeln, das Ravins Zweifel zum Verstummen brachte. „Ich habe ein Lebensmotto seitdem ich hier bin, das mir sehr geholfen hat: Wenn man die ganze Zeit zurückblickt, verpasst man die Dinge, die vor einem liegen. Und meistens lohnt es sich, sie kennenzulernen.“

„Kann schon sein.“ Ravin lehnte sich zurück und genoss den lauen Sommerabend. Zum ersten Mal seit einer Ewigkeit fiel die unterschwellige Anspannung von ihm ab. Zum ersten Mal seit Ewigkeiten fühlte er sich in Gegenwart eines anderen Wesens wohl.

Er lauschte dem Wind, der in den Wipfeln der Bäume rauschte und den Grillen, die ein abendliches Konzert anstimmten. Und obwohl die deutschen Wälder so anders als die feuchtwarmen Dschungel waren, genoss Ravin den leichten, würzigen Geruch der Bäume, den Duft wilder Blumen und die Ruhe, die in diesen Wäldern herrschte. Kein fernes Geschrei von Affenkolonien, kein beständiges Summen von Insekten und kein Knacken und Krachen im Unterholz. Der indische Dschungel war im Vergleich zu den deutschen Wäldern laut und intensiv, sinnesbetörend und erschlagend. Nicht, dass er ihn hasste, aber Ravin fand auch Gefallen an den stilleren, düsteren Wäldern, die eine gänzlich andere Atmosphäre ausatmeten.

Vielleicht hatte Henri recht. Vielleicht sollte er alles hinter sich lassen, sich auf die schönen Dinge konzentrieren und von vorne beginnen. Die Frage war nur, ob er das konnte. War er wirklich bereit, mit allem abzuschließen, was ihn knapp 80 Jahre lang begleitet hatte? Den Göttern den Rücken zu kehren kam ihm wie ein Verrat vor – an allem, was ihn ausmachte. Was wussten die hiesigen Menschen und Wesen schon von den Göttern, die ihm heilig waren? Von den Entbehrungen, die er auf sich genommen hatte, um ihren Segen zu erhalten und sich als Wertiger zu beweisen. Nur um an der wichtigsten und schwersten Prüfung zu scheitern …

„Hör auf einen alten Mann.“ Henri stieß ein leises Lachen aus und ließ die Schultern kreisen. „Ich habe genug erlebt, um voll und ganz hinter diesem Lebensmotto zu stehen – blicke in die Zukunft, ohne deine Vergangenheit zu vergessen.“

„Deine Weisheit in allen Ehren, aber diese Möglichkeit habe ich nicht!“, entgegnete Ravin barscher als beabsichtigt. „Ich habe der Göttin Durga einen Schwur geleistet und …“ Er verstummte und vergrub das Gesicht in den Händen. All die Ruhe, die er noch vor einem Moment verspürt hatte, war dahin. Warum konnte er nicht den Mund halten?

Weil es dich kaputt macht, Ravin. Wieder Amitas feine Stimme, die nur er hören konnte. Schon immer war sie sein Gewissen gewesen. Du musst darüber reden und es aussprechen. Viel zu lange schleppst du diese Sache mit dir herum.

„… und du hast diesen Schwur gebrochen …“ Es war keine Frage, sondern eine Feststellung.

„Woher …?“

„Wenn man so lange lebt wie ich, lernt man Menschen und Wesen kennen und weiß, was in ihnen vor sich geht.“

Sag es ihm … du kannst ihm vertrauen.

Nur kurz zögerte Ravin, dann entschied er sich, Amita zu vertrauen und auszusprechen, was ihn so lange belastet hatte: „In Indien gibt es nicht so viele Wertiger, wie du vielleicht glaubst. Da wir Einzelgänger sind und keine Gemeinschaften oder Rudel bilden, ist eine dauerhafte Verbindung oder gar Heirat zwischen Wertigern sehr selten. Du kannst dir denken, dass es kaum Nachkommen gibt, zumal nicht alle Jungen und Mädchen das heilige Ritual vollziehen, um ihr Leben der Göttin Durga zu widmen.“

Du musst mehr ins Detail gehen, sagte Amita. Er kennt die Geschichte unseres Landes nicht.

„Du musst wissen, dass die Wertiger schon immer der Göttin Durga verpflichtet waren – als Reittiere und Beschützer. Sie beten wir an, ihr widmen wir unser ganzes Leben. Wenn sich ein Junge oder ein Mädchen für den Weg des Tigers entscheidet und erstmals die Bindung zu seinem Schutzgeist aufbaut, sich in einen Tiger verwandelt, dann verpflichten sie sich, Durga zu dienen. Die jährlichen Feste und Rituale, die unzähligen Regeln – unser ganzes Sein ist danach ausgerichtet.“ Ravin stieß ein Seufzen aus. Er erinnerte sich an die strahlenden Feste, die vielen Rituale, die er durchlaufen musste, seit er sich mit Amita verbunden hatte. Nur das letzte, heiligste Ritual hatte er nicht vollziehen können – die Bindung an eine Frau, um der Göttin neue Kinder zu schenken … „Es ist ein harter Weg voller Entbehrungen …“, fuhr er stockend fort und rieb sich fröstelnd die Arme. „Viele Jugendliche entscheiden sich daher gegen den Weg des Tigers und bleiben gewöhnliche Menschen.“

„Das habe ich nicht gewusst.“ Henri schob sich etwas näher, strich mit der Hand über seine Schulter. Obwohl er ein Vampir war, strahlte die blasse Haut Wärme aus und beruhigte seine aufgewühlten Gedanken. Allein diese Berührung genügte Ravin, um mit seiner Erzählung fortzufahren.

„Zu den wichtigsten und heiligsten Pflichten eines Wertigers gehört die Ehe mit einer geeigneten Frau, um Nachkommen zu zeugen und so die Blutlinie der Wertiger fortsetzen. Liebe spielt dabei keine Rolle – es sind zumeist arrangierte Ehen. Dieses Vorgehen wird auch vom Hohen Rat Indiens unterstützt, da man alles daran setzt, den Fortbestand der Wertiger zu sichern … Sie sind stark und mächtig, einige sehr alte Wertiger gelten sogar als heilig.“ Er schluckte gegen den Kloß an, der sich in seinem Hals festsetzte und ballte die Fäuste. „Auch ich sollte mich an eine Frau binden, die heiligen Rituale durchführen und …“ Er brach ab, unfähig auszusprechen, was ihm auf der Zunge lag. Die Worte hatten zu viel von dem aufgewühlt, das er bisher tief in sich verborgen hatte. Es schmerzte wie eine frisch aufgeplatzte Wunde, nahm ihm den Atem.

„Aber du konntest nicht …“, murmelte Henri, als die Stille überhandnahm. „Falls es dich beruhigt, ich könnte auch nicht auf Kommando mit einer Frau schlafen. Im Grunde kann ich mit einem weiblichen Körper gar nichts anfangen. Mein Interesse gilt ausschließlich Männern.“

Ravin stieß ein Lachen aus, das ihm in den Ohren wehtat. Es klang verbittert und hilflos, kam tief aus seinem Inneren und legte einen Teil seiner Seele bloß. Er schloss die Augen, um Henris Blicken auszuweichen und sammelte sich. Es gab kein Zurück mehr … er musste die Worte aussprechen, die ihm so schwer auf der Seele lasteten: „Ich kann mit keinem Körper etwas anfangen … weder mit einem männlichen noch mit einem weiblichen. Sie sind gleichermaßen uninteressant für mich. Allein der Gedanke …“

Ungewollt schauderte er, gleichzeitig spürte er, wie befreiend es war, dieses intime Detail seiner Selbst zu offenbaren. Wie gut es tat, dieses Geheimnis laut auszusprechen und sich von der Last zu befreien, die ihn so lange begleitet hatte. Es war ihm egal, wie Henri darauf reagieren würde, ob er ihn für seltsam oder kaputt hielt … diese Last nicht mehr zu spüren, ließ ihn freier atmen.

Ich bin stolz auf dich, flüsterte ihm Amita ins Ohr. Es war höchste Zeit …

„Das kam jetzt unerwartet …“, sagte Henri. In seiner Stimme schwang weder Abscheu noch Zorn mit, sondern Verständnis und Neugier. Er klopfte ihm kameradschaftlich auf die Schulter. „Wenn ich ehrlich bin, erklärt das vieles. Das ist jetzt nicht wertend gemeint … ich bin der Letzte, der damit ein Problem hat. Wenn es Menschen und Wesen gibt, die geradezu süchtig nach Sex sind, warum sollte es dann nicht auch solche geben, die keinerlei Interesse danach verspüren.“ Er hob die Achseln und wickelte eine Haarsträhne um seinen Finger. „Es gibt so viele Spielarten der Liebe. Niemand hat das Recht einen anderen für das zu verurteilen, was er ist und wie es um seine oder ihre Gefühle bestellt ist.“

„Aber deswegen wurde ich verbannt.“ Ravin hatte nicht mit so viel Verständnis gerechnet. Henri reagierte anders als all die Mitglieder seiner Familie – offen und verständnisvoll. Warum war ihm plötzlich ein europäischer Vampir näher als jeder indische Wertiger?

„Dann haben wir etwas gemeinsam … Meine Familie hat mich aus unserem Landsitz verjagt, als sie mich mit einem jungen Mann erwischten – in flagranti.“

„Tatsächlich?“, hakte Ravin nach. Allmählich erwachte sein Interesse an Henri. Sie schienen mehr Gemeinsamkeiten zu haben, als er gedacht hatte.

„Ich will lieber nicht zu sehr ins Detail gehen, aber wir boten einen Anblick, den man nicht missverstehen konnte.“ Er grinste und für einen Moment blitzten seine blauen Augen in der aufziehenden Dunkelheit auf, obwohl sich Ravin sicher war, dass Henri sich nicht mit Claudine verbunden hatte.

„Kehrst du deswegen nicht nach Frankreich zurück?“

„Unter anderem. Für diese Entscheidung gab es viele Gründe … wenn wir nicht gerade im Wald sitzen und auf einen Werwolf aufpassen müssten, würde ich dir gerne mehr erzählen …“

Apropos Werwolf, mischte sich Amita ein. Du solltest wissen, dass er …

‚Nicht jetzt, Amita‘, fuhr Ravin gedanklich dazwischen. Als hätte er nicht mitbekommen, dass ihr Gefangener schon längst nicht mehr bewusstlos war. Aber das kümmerte ihn nicht. Er konzentrierte sich auf Henri, der ihn mit viel zu vielen Worten zu einem Glas Rotwein einlud. Zum ersten Mal wirkte der eloquente, selbstbewusste Vampir verunsichert. Vielleicht war ihm bewusst geworden, wie viel er selbst offenbart hatte und wie sehr es sie fortan aneinander band …

„Eine Einladung also …“

Ravin zögerte. Ging das alles nicht zu schnell? Wenn man bedachte, dass sie zum ersten Mal ernstlich miteinander sprachen, hatten sie sich nicht zu weit aus der Deckung gewagt? Zu viele intime Details preisgegeben, ohne einander wirklich zu kennen?

Henri schien zu spüren, dass er zu weit gegangen war. „Keine Sorge, Ravin. Ich habe keinerlei Hintergedanken. Ich will dir keinesfalls zu nahe treten. Ich dachte nur, wir können uns besser kennenlernen … und Freunde werden.“

Bitte zieh dich nicht zurück, Ravin. Selten hatte Amita so flehend geklungen. Sie kniete sich an seine Seite, die Hände im Schoß verschränkt. In ihrem Gesicht stand ein Ausdruck, den Ravin nie zuvor gesehen hatte. Du hast einen Schritt in die richtige Richtung gemacht. Bitte verschanze dich nicht wieder hinter deiner selbsterrichteten Mauer aus Schweigen und Einsamkeit. Ihr seid auf einem guten Weg, das spüre ich. Ihr könntet Freunde werden … und du weißt, dass du dringend jemanden brauchst, mit dem du reden kannst.

‚Woher willst du das wissen?‘

Weil ich dich kenne … viel besser als du dich selbst kennst. Ich bin deine innere Stimme, dein Instinkt und dein Gewissen. Und ich weiß, dass du jemanden brauchst.

‚Ich brauche keinen Partner …‘

Amita schüttelte den Kopf. Vielleicht nicht auf körperlicher Ebene, aber auf geistiger und seelischer. Es ist nicht so, dass du vollkommen gefühllos bist … auch du brauchst Nähe, Aufmerksamkeit und vielleicht sogar Liebe …

„Entschuldige … ich bin zu weit gegangen“, sagte Henri plötzlich und rückte von ihm ab. Die Wärme, die der Vampir verströmt hatte, verschwand. Die Kühle der Nacht bescherte Ravin eine Gänsehaut.

„Das bist du nicht“, erwiderte Ravin, bevor er sich erneut in seinem Gedankenkarussell verfing. Vielleicht war es an der Zeit, spontaner zu werden, auf Amita zu vertrauen und einen winzigen Schritt auf Henri zugehen. Er hatte lang genug wie ein Einsiedler gelebt und sich selbst Vorwürfe gemacht … „Ich würde mich freuen, dich besser kennenzulernen, Henri.“

„Sehr schön … wie wäre es …“

Vorsicht, Ravin!

Mit einem warnenden Knurren sprang plötzlich der Werwolf auf die Pfoten. Er schnappte nach Henris Hand, ohne den Vampir zu erwischen, fuhr herum und verschwand wie ein grauer Blitz zwischen den Bäumen.

„Verdammt …“, fluchte Henri. Dem Vampir schien es tatsächlich entgangen zu sein, dass der Werwolf schon seit einer Weile wach war. Im nächsten Moment änderte sich die Aura, die ihn umgab, wurde greifbarer und beeindruckender. Henri war unbestreitbar imposant und mächtig, wenn er mit seinem Schutzengel verbunden war.

„Ich kümmere mich darum.“ Ravin löste den Knoten des Dhoti und nickte Amita zu. Sofort glitt sie in ihn, füllte ihn mit ihrer Präsenz aus. Die Wandlung in einen Tiger verlief noch schneller als zuvor – Ravin spürte die Veränderung seines Körpers kaum, da war nur leise Vorfreude auf die Jagd durch den Wald und das immense Glücksgefühl wieder in seiner Tigerform zu sein.

Du hast meine Warnungen absichtlich ignoriert, erklang Amitas teils anklagende, teils amüsierte Stimme in seinem Kopf. Du wusstest, dass er die ganze Zeit wach war.

‚Kann sein …‘ Ravin stieß ein gemäßigtes Brüllen aus und streckte sich, um seine Sehnen und Muskeln zu fühlen. Er hatte gehofft, dass der Werwolf einen Fluchtversuch unternahm, um noch einmal diese Form anzunehmen. ‚Dieses Mal lasse ich mir mehr Zeit …‘

Davon bin ich ausgegangen …

Henri trat an seine Seite und strich ihm behutsam über den Kopf. Unwillkürlich rieb Ravin seinen Schädel an der schlanken, warmen Hand, genoss die Nähe des Vampirs. „Du wusstest, dass er nicht mehr bewusstlos ist, nicht wahr? Ich ahne, warum du mich nicht gewarnt hast …“ Da war kein Vorwurf in der Stimme, nur Wärme und Vertrauen. „Zu deinem Glück hat er mich nicht erwischt, ansonsten wäre meine Einladung zum Rotwein hinfällig. Im Gegenzug halte ich mich zurück und überlasse dir die Jagd. Wehe er entkommt dir!“

‚Das wird er nicht …‘, dachte Ravin und stieß ein leises Grollen aus. Er strich an Henris Bein entlang als Zeichen, dass er verstanden hatte.

Schnappen wir ihn uns, Ravin! Immerhin hat er einen Freund angegriffen, hallten Amitas Worte direkt in seinem Inneren wider.

Ravin widersprach nicht. Stattdessen spannte er die Muskeln an, bereit den Werwolf zu verfolgen und seinem neuen Freund zu beweisen, dass er sich auf ihn verlassen konnte. Jetzt und in Zukunft …

~ Ende ~

[AKTION] Schreib eine Geschichte!

Hallo in die Runde,

vor einigen Tagen rief die Autorin Karo Stein auf ihrem Blog dazu auf, spontan eine Kurzgeschichte zu schreiben, um den Leser*innen in Zeit der Corona-Epidemie einen positiven Lesegenuss und Hoffnung zu schenken. Ich fand den Aufruf so schön und so motivierend, dass ich mich heute an eine kurze Geschichte über meine beiden Magier Nazar und Kiama gesetzt habe, die lose nach den anderen Geschichten aus dem “Zwillingsmagie”-Universum spielt. Das hat jetzt den netten Nebeneffekt, dass ich ungemein viel Lust habe, mich endlich an “Zwillingsmagie” zu setzen, in der ich die gesamte Geschichte der beiden erzählen will 🙂 Ich halte euch auf dem Laufenden, was meine Arbeit an dem neuen Roman betrifft – also haltet die Augen offen.

Es ist die erste Geschichte, die ihr direkt auf meinem Blog lesen könnt – normalerweise gibt es von mir keine Geschichten online zu lesen (von Leseproben einmal abgesehen), aber in diesem besonderen Fall, mache ich mit Freuden eine Ausnahme.

Zwillingslicht (ca. 2.400 Wörter)

Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen und hoffe, die kleine Geschichte gefällt euch. Natürlich freue ich mich über Feedback, wenn ihr die Geschichte gelesen habt.

Haltet die Ohren oben und bleibt gesund,
Juliane

[KURZGESCHICHTE] Zwillingslicht

Nur ein Funke … ein winziger Lichtstrahl – war das denn wirklich schon zu viel für ihn? Brachte er nicht einmal einen simplen Lichtzauber zustande?

Enttäuscht und voller Verbitterung ließ Nazar die Hand sinken. Er schaffte es einfach nicht! Er versagte bei einem der leichtesten Zauber, den es gab. Kein Wunder, dass er nicht einmal den ersten Zaubergrad erreicht hatte und mit Anlauf durch die Prüfung gefallen war, weil er daran scheiterte, eine kleine Kugel aus Licht heraufzubeschwören. Dabei war nicht einmal die Formel das Problem – bei den meisten Zaubern genügte ihm ein Blick auf die Zauberformeln und er hatte sie verinnerlicht, ganz gleich wie kompliziert sie waren. Nur wieviel Sinn hatte es, sich die Worte eines banalen Zaubers mit Leichtigkeit zu merken, wenn er die Magielinien der Welt nicht erreichte? Sie blieben ihm verschlossen, als stünde er vor dem Eingangstor einer riesigen Mauer und hatte keinen passenden Schlüssel zur Hand.

Wobei er diesen inzwischen gefunden hatte – Kiama war sein Zugang zu den Magielinien. Seitdem sie eine leidenschaftliche Nacht im Zeichen des Zwillingsmondes verbracht hatten, waren sie miteinander verbunden. Der Zwillingsmond selbst hatte sie zusammengeschweißt und sein Zeichen in ihre Handflächen gebrannt. Seitdem konnten sie gemeinsam zaubern – Kiama, der zwar Zugang zur Magie hatte, diese jedoch nicht kontrollieren konnte und er, der wusste, wie man die Macht mit Worten bändigte.

Im Grunde eine gute Grundlage, zumal seine Meisterin Shamalla Kiama als zweiten Schüler bei sich aufgenommen hatte. Allerdings harmonierten sie menschlich nicht immer miteinander. So sehr sie beim Zaubern aufeinander angewiesen waren, so leicht gerieten sie miteinander in Streit.

Und meistens war es seine Schuld … gerade in den letzten Wochen … Anstatt sich eine gemeinsame Basis zu erarbeiten – sowohl auf emotionaler Ebene, als auch für die gemeinsame Arbeit – stieß er Kiama von sich.

Nazar ließ sich ins Gras fallen und breitete die Arme aus. Warum gelang es ihm nicht, seine Eifersucht im Zaum zu halten? Warum musste er Kiama immer wieder vor den Kopf stoßen, wenn dieser freudestrahlend von seinen Fortschritten berichtete, die er im Einzelunterricht mit Shamalla erzielte. Ihre Meisterin investierte viel Zeit, um Kiamas wilde Magie unter Kontrolle zu bringen, ihn anzuleiten, sich die ungezügelte Macht mit Hilfe von Zaubersprüchen zunutze zu machen. Während sein Mitschüler nach und nach Wege entdeckte, seine Macht zu beherrschen und sogar erste Zauber intonierte, blieb Nazar nichts. Er würde die Magielinien nicht erreichen, ganz gleich wieviel Zeit er investierte. Er war wie ein Buch voller Zaubersprüche, das niemand lesen wollte. Shamalla wusste das, ebenso wie Kiama. Wahrscheinlich war dem gesamten Magierrat diese Tatsache bewusst.

Was wurde aus ihm, wenn Kiama irgendwann in der Lage war, die Magie zu kontrollieren? Was, wenn er Nazar irgendwann nicht mehr zum Zaubern brauchte – Zwillingsmond hin oder her? Warum gab es für ihn keine Möglichkeit, seine Schwäche zu überwinden; einen Weg, um die Magielinien zu erreichen und ebenfalls ohne Kiama zu zaubern?

Vielleicht sollte er in seine Heimat zurückkehren – in das kleine Dorf am Fuße des Schattengebirges. Es würde zwar wie eine Flucht wirken, doch was blieb ihm noch. Er würde nicht ewig in der Magierstadt Almaz bleiben können, wenn er nicht einmal die erste Zauberstufe erreichte …

„Nazar?“ Eine wohlbekannte Stimme riss ihn aus den Gedanken. Er wandte den Blick zur Seite und sah zu Kiama auf, der sich neben ihn setzte. Nazar wusste nicht, wie lange der Südländer ihn beobachtet hatte … vielleicht hatte er seinen letzten erfolglosen Versuch zu zaubern, sogar beobachtet. Wut sammelte sich in ihm.

„Und? Hast du den Luftzauber geschafft, den Shamalla dir beim Frühstück beschrieben hat?“, fragte Nazar und klang frustrierter als er wollte. Ein Teil von ihm wusste, dass Kiama keine Schuld traf, er ihm Unrecht tat, doch er konnte Zorn und Enttäuschung nicht aus seiner Stimme verbannen.

„Ich weiß, dass du verstimmt bist“, antwortete Kiama, ohne auf Nazars Frage einzugehen. „Ich kann dich sogar verstehen, aber …“

Mit einem Schnauben wandte Nazar sich ab und schloss die Augen. Die Wut loderte heiß in ihm. Worte drängten seinen Hals hinauf, die er nicht sagen wollte, also schwieg er verbissen.

„Es ist nicht meine Schuld, weißt du. Wenn ich könnte …“

„Kannst du aber nicht“, fuhr Nazar dazwischen. Mit einem Ruck richtete er sich auf und konzentrierte sich auf den Lichtzauber, der ihm seit Stunden nicht gelingen wollte. Schweiß sammelte sich auf seiner Stirn, während er mit aller Macht einen Lichtfunken heraufbeschwören wollte. Für einen winzigen Moment glomm tatsächlich ein schwacher Funken über seiner ausgestreckten Hand aus, doch er verschwand sofort wieder. Lediglich eine feine Rauchschwade blieb zurück, die sich im Licht der untergehenden Sonne auflöste. „Siehst du? Ich schaffe nicht einmal den elementarsten Zauber, ganz gleich, wie sehr ich mich bemühe.“

Kiama sah ihn ausdruckslos an. Seine dunklen Augen wirkten wie schwarze Perlen in dem schmalen, ebenmäßigen Gesicht. In Nazar stritt sich der Wunsch, den Magier von sich zu stoßen, mit dem Wunsch, ihn an sich zu ziehen und zu küssen. Das war das zweite Problem, das er hatte, wenn er in Kiamas Nähe war. Diese Unausgeglichenheit, die ihn schier in den Wahnsinn trieb.

„Während du mit Shamalla Fortschritte machst, vielleicht sogar irgendwann deine wilde Magie beherrschen wirst, bleibt mir nichts … keine Möglichkeit, irgendwie aufzuholen oder es aus eigener Kraft zu schaffen. Wer weiß, in naher Zukunft wirst du vielleicht sogar ohne mich auskommen und brauchst mich nicht mehr …“, sprudelte es aus Nazar heraus. Dabei hatte er all das für sich behalten wollen. Stattdessen breitete er seine Ängste und Sorgen vor Kiama aus.

„Denkst du das wirklich?“ Eine steile Falte bildete sich zwischen Kiamas Augenbrauen. Sein Mund war zu einem schmalen Strich zusammengepresst. „Du glaubst, ich werfe all das weg, was zwischen uns entstanden ist?“

Nazar wusste nicht, wie er darauf reagieren sollte. In seinem Kopf stritt sein Stolz mit seinem Herzen, hinterließen ein einziges Gefühlschaos. Was sollte er darauf antworten? Hatte er Kiama falsch eingeschätzt? War er auf dem Holzweg, was Kiamas Unterricht betraf? Sein Stolz gewann schließlich die Oberhand, verbot ihm schon jetzt einzulenken. „Du meinst der Pakt, den der Zwillingsmond zwischen uns gesegnet hat?“

„Du bist ein Idiot, Nazar“, fauchte Kiama und schüttelte den Kopf. Der Südländer machte Anstalten aufzustehen, überlegte es sich jedoch anders und rückte näher an Nazar heran. Warmer Atem schlug ihm entgegen, als Kiama, dicht vor seinem Gesicht, fortfuhr: „Denkst du wirklich, ich bin nur deswegen hier, weil mich der Zauber eines Gottes an dich bindet, an den ich nicht einmal glaube? In meiner Heimat verehren wir die mächtigen Feuergötter der Vulkane, keine magischen Mondgötter.“

Nazar schluckte, als er den feurigen Blick des Mannes erwiderte, der seine Gefühlswelt durcheinanderbrachte. Schon seit sie sich zum ersten Mal in diesem Garten geliebt hatten; in der Nacht des Zwillingsmondes, in der alles begonnen hatte. Es waren diese Augen gewesen, die ihn gefesselt hatten, diese feurigen Blicke, die ihn gefangen nahmen und Hitze und Erregung mit sich brachten.

„Als uns dieser Traummagier angegriffen, dich in einem Albtraum gefangen gehalten hat, habe ich alles unternommen, um dich aus seinen Fängen zu befreien. Es war mir egal, wie gefährlich es war, in deine Träume einzutauchen. Ich hätte mich in ihnen verlieren können … Glaubst du wirklich, ich hätte das auf mich genommen, wenn …“ Er brach ab. Zum ersten Mal wirkte er angreifbar und verletzlich. „… wenn du mir nichts bedeuten würdest?“

Nazar versuchte den Kloß in seinem Hals hinunterzuschlucken, doch er schnürte ihm die Kehle zu. Das schlechte Gewissen sammelte sich in seinem Magen und verdrängte die schwelende Wut endgültig. Die Eifersucht und Angst hatten ihn blind gemacht, für das, was wirklich in Kiama vor sich ging … was der Südländer wirklich für ihn empfand. Und er für ihn … „Ich …“

„Und weißt du was?“ Kiama ließ ihn nicht zu Wort kommen. Er hob die Hand, murmelte etwas linkisch die Worte des Lichtzaubers, die Nazar in den letzten Stunden so oft intoniert hatte, dass er jede Silbe inzwischen verabscheute. Ein gleißender Lichtball breitete sich über Kiamas Hand aus und blendete Nazar so sehr, dass er gepeinigt zurückwich. Tränen liefen ihm über die Wangen, während grelle, rote Flecken auf seinen geschlossenen Lidern tanzten. Er hatte das Gefühl, direkt in einen Blitz hineingesehen zu haben.

„Bist du verrückt?“, keuchte er entsetzt.

Das Licht verlosch, doch Nazar wagte es nicht, die Augen zu öffnen. Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit, bis er die brennenden Lider hob und blinzelnd die letzten Lichtpunkte vertrieb. Nach und nach gewöhnten sich seine Augen wieder an die aufziehende Dunkelheit. Er sah zu Kiama, den er zunächst als verschwommene Silhouette sah, bis sich sein Blick schärfte und er das Gesicht des Südländers erkannte – die großen Augen, die hohen Wangenknochen und das markante Kinn.

„Das passiert, wenn ich den kleinen Lichtzauber wirke, den andere schon nach wenigen Tagen beherrschen“, murmelte Kiama mit einem Seufzen. „Sieht das für dich nach Kontrolle aus? Denkst du wirklich, damit könnte ich an den Prüfungen teilnehmen?“

Nazar schüttelte den Kopf. Leichter Druck machte sich in seinen Schläfen breit. Er wollte etwas sagen, doch ihm fehlten die Worte. Ausgerechnet ihm, dem es stets leichtgefallen war, mit Worten und Sätzen zu spielen.

„Bevor Shamalla mich aufgenommen und unterrichtet hat, hätte dieser simple Lichtzauber jedem in meiner Nähe erheblichen Schaden zugefügt. Du willst nicht wissen, was mit Meister Hakor passiert ist, als ich den Zauber zum ersten Mal anwandte. Wäre er nicht ein solch mächtiger Magier, das Licht hätte ihn bei lebendigem Leib verbrannt.“ Er senkte den Blick zu Boden, langes Haar fiel ihm vor die Augen. „Ich bin eine Gefahr für alle, wenn ich nicht lerne, einen Teil der Macht zu kontrollieren, auf die ich zugreifen kann.“

„Das … wusste ich nicht“, gestand Nazar.

„Nicht nur du hast Probleme mit dem Zaubern und Wirken von Magie. Und nur weil es mir nach so vielen Wochen endlich gelingt, die Macht der Magielinien ein wenig abzuschwächen, heißt das nicht …“

„… dass du es in absehbarer Zeit allein schaffst“, vollendete Nazar die leisen Worte des Mannes, den er in den letzten Tagen vollkommen falsch eingeschätzt hatte. Wahrscheinlich arbeitete Kiama deswegen so verbissen an sich, um Nazar nicht unnötig zu gefährden. Kiama hatte Recht – er war ein Idiot!

„Wahrscheinlich wird mir das nie gelingen …“, fügte Kiama nach einer Weile hinzu. „Ich schätze, zum Zaubern werde ich dich immer brauchen.“

Nazar nickte und streckte die Hand nach Kiama aus. Ihm fiel ein Stein vom Herzen, als der junge Mann näherkam und die feste Umarmung zuließ. Nazar spürte den warmen Atem auf seiner Haut, als Kiama den Kopf auf seiner Brust ablegte.

„Es tut mir leid, Kiama“, murmelte Nazar und drückte Kiama einen Kuss auf die Stirn. „Ich weiß nicht … was in mich gefahren ist.“

„Ist schon in Ordnung. Ich verstehe dich – deinen Frust, deine Angst, irgendwann überflüssig zu sein; eines Tages, nicht mehr gebraucht zu werden. Dabei werde ich dich immer brauchen, Nazar. Solange du es zulässt, bleibe ich an deiner Seite.“ Kiama schob sich höher, reckte sich ihm entgegen und suchte seine Lippen.

Nazar kam ihm nur zu gerne entgegen und erwiderte den Kuss mit aller Leidenschaft, zu der er fähig war. Er genoss die warmen Lippen, den Duft von Honig und warmen Sommerabenden, der ihm in die Nase stieg und die wohlige Wärme, die Kiama verströmte. Seine Finger spielten mit Kiamas langen dunklen Haarsträhnen, vergruben sich in ihnen und zogen den Südländer näher zu sich. Als ihm ein heiseres Stöhnen über die Lippen kam und die Hitze in seinen Lenden beinah jeden klaren Gedanken vertrieb, zog er sich schwer atmend zurück.

„Warte …“

„Du weißt, wo wir uns befinden?“, fragte Kiama mit rauer Stimme und fuhr ihm spielerisch über die Oberschenkel. Ein Schauder rann über Nazars Rücken. Es kostete ihn all seine Vernunft, nicht auf Kiamas Spiel einzusteigen. Dabei hätte er nichts lieber getan, als sich den flinken Fingern hinzugeben und Kiama mit allen Sinnen zu genießen.

„Im Garten?“, murmelte er und griff nach Kiamas Hand, die sich gefährlich nah dem Zentrum seiner Erregung genähert hatte. Er verschränkte Kiamas Finger mit seinen und schüttelte den Kopf.

„Unter diesem Baum, haben wir uns zum ersten Mal …“ Kiama ließ den Satz offen und schenkte ihm ein schiefes Grinsen. Dann rückte er näher, schmiegte sich an Nazar, dem es mit jeder Sekunde schwerer fiel, nicht auf Kiamas Avancen einzusteigen.

„Ich weiß … damals waren wir allerdings allein. Shamalla war auf dem Magierkongress und wir hatten die Villa für uns.“ Er gab Kiama einen flüchtigen Kuss und schob den Südländer schließlich von sich. „Ich habe nicht vor, ihr direkt vor Augen zu führen, was wir miteinander teilen.“

Kiama atmete tief durch und nickte schließlich. Mit einem Seufzen brachte er Abstand zwischen sie. Obwohl die letzten Sonnenstrahlen schon längst hinter den Wipfeln der Bäume verschwunden waren, hatte Nazar den Eindruck, dass Kiamas Wangen glühten. „Du hast recht. Das wäre wirklich … ungebührlich.“ Er strich sich das Haar aus dem Gesicht und schenkte Nazar ein zweideutiges Grinsen. „Setzen wir das später in meinem Zimmer fort?“

„Warum nicht gleich?“, entgegnete Nazar so schnell, dass er peinlich berührt den Kopf senkte. Es war offensichtlich, wie sehr er sich danach sehnte, mit Kiama eins zu werden. Am liebsten wäre er sofort aufgesprungen und hätte sich mit Kiama zurückgezogen. Das letzte Mal war viel zu lange her …

Kiamas leises Lachen wehte über die Wiese, während er sich erhob und Nazar mit sich zog. „Du kannst ziemlich ungeduldig sein, weißt du das?“

Nazar antwortete nicht. Kiama wusste sowieso, was in ihm vor sich ging. Er packte die Hand des Südländers fester, spürte wie sich die Symbole auf ihren Handinnenflächen kribbelnd berührten.

„Was hältst du von ein wenig Licht? Inzwischen ist es ziemlich dunkel geworden. Dann finden wir schneller den Weg ins Haus.“ Kiama trat dicht an ihn heran und gab ihm einen Kuss in den Nacken.

Nazar genoss die sanfte Berührung, konzentrierte sich auf den Lichtzauber und murmelte die verhassten Worte. Über seiner ausgestreckten Hand bildete sich eine sanft schimmernde, leicht rotierende Kugel aus Licht. Sie erhellte die nähere Umgebung, tauchte ihn und Kiama in ein warmes, hoffnungsvolles Licht und schenkte Nazar ein fast vergessenes Glücksgefühl.

„Wunderschön …“, hauchte Kiama und stieß mit dem Finger gegen das leuchtende Gebilde.

Nazar nickte. „… und erschaffen von uns beiden.“

~ Ende ~

[ANKÜNDIGUNG] Like a (bad) Dream

Hallo in die Runde,

es wird Zeit, euch endlich mein neues Herzprojekt in voller Schönheit zu präsentieren – immerhin arbeite ich seit fast einen Jahr an der neuen “Like a Dream” Benefizanthologie. Sie wird pünktlich zum 18 Geburtstag (und zufälligerweise auch zum Brexit) am 29.03.2019 erscheinen und neben 17 wundervollen Autor*innen bin auch ich mit einer Kurzgeschichte vertreten.

Doch bevor ich euch zu meinem Beitrag mehr verrate, hier erstmal die wichtigsten Informationen:

Titel: Like a (bad) Dream
Autor*innen: Elea Brandt, Barbara Corsten, Carmilla DeWinter, Jona Dreyer, Annette Juretzki, Svea Lundberg, Jobst Mahrenholz, Tanja Meurer, Jannis Plastargias, Thomas Pregel, Chris P. Rolls, S. B. Sasori, Elisa Schwarz, Juliane Seidel, Dima von Seelenburg, Dennis Stephan, J. Walther, T. A. Wegberg.
Erscheinungstermin: 29.03.2019

Klappentext:
Der Blog Like a Dream wird erwachsen – ein Grund für 18 Autor*innen, sich erneut für eine Benefizanthologie zusammenzufinden.

Wo bleiben Träume, wenn man im Copacabana Palace ums Überleben kämpft, einen Nix trifft oder seinen Auftragskiller kennenlernt? Wie befreit man seinen Geliebten aus einem Albtraum, stellt sich lange unterdrückten Sehnsüchten oder wird mit einem Dämon fertig?

18 mitreißende Geschichten voller (Alb)Träume, mal hoffnungsvoll und romantisch, mal düster und nachdenklich, zwischen Gegenwart, fernen Welten und Vergangenheit.

Der komplette Erlös geht an vielbunt e.V., die damit queeren Flüchtlingen unbürokratisch und schnell helfen.

Mit Beiträgen von: Elea Brandt, Barbara Corsten, Carmilla DeWinter, Jona Dreyer, Annette Juretzki, Svea Lundberg, Jobst Mahrenholz, Tanja Meurer, Jannis Plastargias, Thomas Pregel, Chris P. Rolls, S. B. Sasori, Elisa Schwarz, Juliane Seidel, Dima von Seelenburg, Dennis Stephan, J. Walther und T. A. Wegberg.

Folgende Autor*innen sind dabei:

Ich hoffe, ihr findet das Cover so toll wie ich – es passt zu all den Kurzgeschichten, die im Buch enthalten sind und die ihr ab Ende März lesen könnt. Bahaltet in den nächsten Tagen und Wochen Like a Dream im Blick, denn bis zum Erscheinungstermin planen wir die ein oder andere Aktion.

Viele Grüße,
Juliane