[Aktion] Dankeschön-Kurzgeschichte

Hallo ihr Lieben,

vor einer Weile habe ich mich an einem Kurzgeschichtenwettbewerb versucht, bei dem Urban Fantasy Kurzgeschichten gesucht waren, die Diversität und Queerness thematisieren sollten. Sofort steckte mir eine Kurzgeschichte in der Nase, die zum “Nachtschatten”-Universum gehört und die beginnende Freundschaft zwischen Ravin und Henri zeigen sollte, denn so ganz unproblematisch war das nicht – in “Nachtschatten” sind sie zwar zusammen, aber da gibt es einige Dinge, die ihr nicht wisst. Die Beiden tauchen in der Reihe nur am Rande auf, aber ich gebe zu, es hat mich immer gereizt, mehr von ihnen zu offenbaren. Da ich letztendlich nicht zu den Glücklichen gehörte, die einen Platz in der Anthologie erhielten, stand schnell fest, dass ich “Ein neuer Freund” auf meinem Blog präsentieren will – als Dankeschön an all die Leser*innen meiner “Nachtschatten”-Reihe.

Inzwischen hat sich die Nachtschatten Gesamtausgabe über 1.150 mal verkauft (für mich eine irreale Zahl) – ein weiterer Grund, sich mit einer zusätzlichen Kurzgeschichte bei allen zu bedanken, die Lily, Adrian und ihren Freunden eine Chance gegeben haben. Vielen, vielen Dank für eure Unterstützung, die tollen Rezensionen und das schöne Feedback, das mich auch heute noch erreicht. Für euch ist diese Geschichte …

Ein neuer Freund (ca. 4.000 Wörter)

Ich hoffe sehr, euch gefällt der erneute Abstecher ins “Nachtschatten”-Universum – wer weiß, vielleicht zieht es mich an der Seite von Henri und Ravin irgendwann zu meinen Schutzengeln zurück 🙂

Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen.

Bis zum nächsten Mal,
Juliane

[KURZGESCHICHTE] Ein neuer Freund

Ein Schlag genügte, um den grauen Wolf niederzustrecken, dem sie seit Tagen auf der Spur waren. Ravin bedauerte, dass er seinen Gegner so schnell außer Gefecht gesetzt hatte. Er hätte ihm die Chance auf einen Gegenangriff geben oder den schmalen Kopf des Wolfes absichtlich verfehlen sollen – dann wäre es wenigstens zu einem kurzen Kampf gekommen, bei dem er sich hätte austoben können.

Stattdessen war die Jagd vorbei, kaum dass sie begonnen hatte und hinterließ ein Gefühl tiefer Unzufriedenheit. Was gäbe er dafür, in seiner Tigerform zu bleiben und laut brüllend durch das Unterholz zu jagen. Dass das seitens des Hohen Rates streng verboten war – geschenkt. Er verband sich sowieso viel zu selten mit seinem Schutzengel. Es glich einem Wunder, dass das Band zwischen Amita und ihm überhaupt noch bestand, so selten wie sie es erneuerten.

„Gut gemacht“, ertönte eine Stimme hinter ihm. Henri hatte sich genähert – wie immer vollkommen lautlos. Der Vampir huschte an ihm vorbei und beugte sich über den grauen Wolf. Ein leises Grollen kam ihm über die Lippen. Ravin wusste, dass Henri Werwölfe nicht mochte – einer der Gründe weswegen er sich bei dieser Jagd zurückgehalten hatte. Nicht dass es ihn stören würde … „Wir übergeben ihn dem Rat. Sie werden sich um ihn kümmern und dafür sorgen, dass er einem der hiesigen Rudel zugeordnet wird.“

Ravin legte den Kopf schief und näherte sich dem knieenden Mann. Er genoss den weichen Erdboden unter seinen Pfoten, vergrub seine scharfen Krallen in dem moosigen Untergrund. Am liebsten hätte er sich wie eine Katze gestreckt, doch das kam ihm unpassend vor.

„Wie lange willst du in dieser Form bleiben?“, fragte Henri und warf ihm einen nachdenklichen Blick zu. Da seine Augen blau fluorisierten und seine Eckzähne verlängert waren, war er noch immer mit seinem Schutzengel Claudine verbunden. Erst als das Glühen nachließ und sich die scharfgeschnittenen Züge des Vampirs glätteten, war sich Ravin sicher, dass Henri seine Verbindung mit Claudine beendet hatte.

Es kostete ihn Überwindung, sich von Amita zu trennen, doch schließlich ließ er sie gehen. Die Rückverwandlung in einen Menschen verlief schnell und schmerzlos, auch wenn er wusste, wie unelegant seine Verwandlung auf Außenstehende wirkte. Die Veränderungen des Knochenbaus, die Rückbildung des Fells und die Neubildung der Haut – wie bei jedem Werwesen war das kein schöner Anblick.

Nackt blieb er neben Henri hocken, nutzte den Moment, um sich an seinen menschlichen Körper zu gewöhnen. Mit einem Seufzen richtete er sich auf und streckte sich. Im Gegensatz zu dem Vampir, der die Zugeknöpftheit eines Adeligen aus den Zeiten der Französischen Revolution besaß, störte es Ravin nicht, ohne Kleidung zu sein – im Gegenteil. Er mochte einengende Kleidung nicht, ganz besonders die europäischen Hosen bereiteten ihm Probleme.

„Hier.“

Woher auch immer Henri den Dhoti zog, Ravin nahm das traditionell indischen Kleidungsstück mit einem Lächeln entgegen und schlang es sich geschickt um sie Beine.

Er hat es sich gemerkt, machte Amita auf sich aufmerksam. Sie schwebte neben ihm und betrachtete den Vampir neugierig. In ihren leuchtenden, großen Augen schimmerte eine Mischung aus Glück und Zufriedenheit. Sie strich sich das lange, dunkle Haar zurück. Gut zu wissen, dass er lernt, Rücksicht zu nehmen.

‚Schon möglich‘, entgegnete Ravin im Stillen. ‚Er gibt sich zumindest Mühe …‘

Du bist ein Pessimist. Wenn ich da an die anderen deutschen Jägerteams denke … Sie näherte sich Henri, der inzwischen sein Handy gezückt hatte und den Rat über den erfolgreichen Abschluss der Mission informierte. Binnen der nächsten halben Stunde wären einige loyale Wesen hier und würden den grauen Wolf mitnehmen. Henri meint es ehrlich und das weißt du. Du weißt, wie Verrat stinkt. Und er verströmt nichts davon.

‚Trotzdem …‘ Er brach ab und senkte den Blick. Es fiel ihm schwer, zu vertrauen. Dabei war nicht einmal die Tatsache, dass es sich bei Henri um einen Vampir handelte, ein Problem für ihn. Im Gegensatz zu den heimischen Werwölfen hatte er als Wertiger kein Problem mit Vampiren. Sie erinnerten ihn ein wenig an die blutsaugenden, monströsen Baital seiner Heimat, wenngleich die europäischen Vampire wesentlich schöner und charismatischer waren.

„Sie schicken jemanden. Bis sie kommen, müssen wir den Wolf im Auge behalten.“ Henri steckte sein Handy weg und sah sich kurz um, dann ließ er sich auf den moosigen Boden sinken und streckte die Beine aus. Mit einer fließenden Bewegung löste er das Haarband und schüttelte die braunen Locken aus. Das Licht der untergehenden Sonne zauberte rote Farbreflexe in die langen Strähnen. „Jetzt setz dich schon, Ravin. Mit etwas Pech werden wir bis in die Nacht hinein auf den Klärungstrupp warten müssen.“

Ravin kam der Aufforderung zögernd nach. Es war seltsam, mit dem Vampir allein zu sein. Normalerweise gingen sie zu viert auf Jagd, denn Henri verzichtete selten auf Leandras Stärke oder Georges Gewandtheit. Doch dieses Mal hatte er explizit nur ihn angefordert. Er konnte nicht einfach verschwinden, wie er es immer tat, sobald ein Auftrag erledigt war. Das war eine der Regeln, die Henri ihm zuerst genannt hatte – es blieben immer zwei zur Bewachung eines Wesens, bis der Klärungstrupp vor Ort war.

„Sich mit dir zu unterhalten, ist so spannend, wie mit einem Baum zu reden“, gab Henri frustriert von sich. Ravin spürte die bohrenden Seitenblicke, doch er wusste nicht, was er sagen sollte. „Du bis seit fast sechs Monaten Teil meines Teams und wir haben gefühlt nicht mehr als eine Hand voll Worte gewechselt. Ich weiß, dass du bei anderen Jägerteams viel durchgemacht hast, daher habe ich dir Zeit gegeben, dich einzugewöhnen, aber allmählich musst du auf uns zugehen. Wir müssen einander vertrauen, gerade wenn wir zusammen kämpfen wollen und so leid es mir tut – weder Leandra noch Georg sehen in dir eine Unterstützung. Das liegt auch daran, dass du zumeist allein agierst, was ich nicht immer gutheiße.“

‚Ich bin halt ein Einzelgänger …‘, schoss es Ravin durch den Kopf.

„Du bist zwar stark und besser als ein Werwolf, aber nicht wirklich teamfähig“, beendete Henri seine Ansprache. Er richtete seinen Blick auf die umstehenden Bäume, suchte die tiefer werdenden Schatten ihrer Umgebung nach möglichen Angreifern ab. Doch es blieb alles ruhig. Ravin wusste, dass niemand in er Nähe war – nicht einmal ein Tier wagte sich in die Nähe dieser kleinen Lichtung.

„Ich weiß …“, murmelte Ravin. Wie immer hatte er Probleme mit den deutschen Silben – sie fühlten sich rau und sperrig an, ein Grund weswegen er so selten den Mund aufmachte. Sein indischer Akzent war ihm unangenehm – als wären seine dunkle Hautfarbe und das lange, schwarze Haar nicht genug, um ihn von der Masse abzuheben. Er stach jedem ins Auge, dabei hasste er es im Mittelpunkt zu stehen. „Ich weiß auch, dass du meine Akte gelesen hast.“

„So viel konnte ich den Notizen nicht entnehmen, die es über dich gibt“, erwiderte Henri. Er pflückte eine kleine Blume und betrachtete eingehend die weiße Blüte. „Du warst in drei Jägerteams, bevor du zu uns kamst. Ich weiß nicht genau, warum sie dich ablehnten, aber die Anführer dürften dasselbe Problem gehabt haben, wie ich … Du lässt niemanden an dich heran und blockst jeden ab, der dir zu nahe kommt. So kann man auf Dauer nicht mit dir zusammen arbeiten.“

„Tiger sind Einzelgänger.“

„Das ist eine Ausrede!“

Ravin stieß ein Grollen aus. Er hasste es, so bedrängt zu werden. Warum sollte er sein Innerstes offenlegen und all diesen Wesen vertrauen, die ihm so fremd waren? Er wollte nicht hier sein! Und er wollte nicht mit den europäischen Nachtschatten zusammen arbeiten! In seiner Heimat gab es keine Jägerteams. Da war jedes Wesen auf sich allein gestellt, wenn es für einen Hohen Rat arbeitete. Nur in Europa gab es diese seltsamen Zusammenschlüsse von Vampiren, Werwesen, Menschen und Sidhe.

Es wird Zeit, dass du es endlich akzeptierst, Ravin, mischte sich Amita ein. Ihre Stimme klang strenger und barscher als sonst. Du kannst nicht zurück nach Indien, solange Rakeshs Bann noch aktiv ist – und ich bezweifle, dass er ihn jemals von dir nehmen wird. Also hör auf so stur zu sein und akzeptiere dieses Land als dein neues Zuhause. Du machst es dir nur schwer, wenn du diejenigen von dir stößt, die dir wirklich helfen wollen.

‚Hätte ich doch nur dieser Verbindung mit Nishay zugestimmt. Irgendwie wäre es mir gelungen …‘

… dieser Frau Kinder zu schenken? In einem heiligen Ritual eine weitere Generation Wertiger hervorzubringen? Du weißt so gut wie ich, dass nichts in dir diese Leidenschaft entfachen kann – weder Mann noch Frau. Amita schlang von hinten die Arme um ihn. Er spürte ihre sanfte, beruhigende Wärme, auch wenn sie so unstofflich wie ein Geist war. Ihre Gegenwart beruhigte sein wild schlagendes Herz. Du hast das Richtige getan, Ravin. Du hast ihr die Wahrheit gesagt, bevor ihr verheiratet wurdet. Es hätte euch beide zerstört, wenn du versucht hättest, deinen ehelichen Pflichten nachzukommen. Wobei es sie als Frau noch schlimmer getroffen hätte …

‚Mag sein, nur vergisst du, dass sie mich an Rakesh verraten hat! Wegen ihr wurde ich verbannt …‘ Ravin spürte heißen Zorn in sich aufwallen. Er legte sich wie ein bitterer Film auf seine Zunge. Warum war er so … kaputt? Warum verspürte er keinerlei Interesse an Sex? Hatten die Götter ihn verflucht, weil er in einem früheren Leben etwas Unaussprechliches getan hatte?

Du bist nicht kaputt, Ravin. Amita neigte sich über ihn, ein zorniges Funkeln in den großen Augen. Diese Gedanken will ich nie wieder mitbekommen.

„Ich stamme aus Frankreich“, riss Henri ihn plötzlich aus seinem inneren Monolog mit Amita. Irritiert sah er zu dem Vampir, dessen Blick ins Leere ging. Wahrscheinlich hatte auch er in den letzten Minuten mit seinem Schutzgeist gesprochen. „Im Juli 1789 fand mein Blutritual statt, das mich an Claudine band. Ich weiß nicht, ob du etwas über französische Geschichte weißt, aber es war ein wahrlich ungünstiger Zeitpunkt, um den Schritt vom Menschen zum Vampir zu machen. Während ich zum ersten Mal menschliches Blut trank und eins mit meinem Schutzengel wurde, tobten Schlachten in den Straßen von Paris. Damals hat sich Frankreich nach und nach verändert – die Macht des Adels schrumpfte, viele wurden hingerichtet.“ Mit einem Seufzen schüttelte Henri den Kopf. „So viele sind damals gestorben … meine Familie hat nur überlebt, weil wir rechtzeitig geflohen sind …“

„Warum erzählst du mir das alles?“, fragte Ravin. Er hatte den Vampir nie einschätzen können, jetzt fiel es ihm noch schwerer, hinter die Fassade des Mannes zu blicken. Henri tat nichts ohne Grund – warum also gab Henri ihm einen Einblick in seine Vergangenheit?

„Weil ich schwerlich von dir Offenheit verlangen kann, wenn du nichts über mich weißt. Ich bin im Vorteil, weil ich deine Akte gelesen habe, daher sorge ich für Ausgleich.“ Henris Blick wanderte zu den Wipfeln der Bäume. Der Himmel war zunehmend dunkler geworden, die ersten Sterne blitzten zwischen den Ästen auf. „Ich bin über 250 Jahre alt und lebe seit knapp 220 Jahren als Vampir. Mein Herz gehört Paris, aber ich habe Mainz schätzen und lieben gelernt … auch wenn die Bewohner manchmal etwas bäuerlich sind.“

„Warum lebst du dann hier?“

„Ich habe Paris wegen der Revolution hinter mir gelassen … ich habe zu viele Freunde sterben sehen. Und Frankreich … nun da spielen persönliche Gründe eine Rolle. Wenn du möchtest, erzähle ich dir, warum ich mich entschieden habe, mich in Deutschland niederzulassen.“ Henri schenkte ihm ein Lächeln, das Ravins Zweifel zum Verstummen brachte. „Ich habe ein Lebensmotto seitdem ich hier bin, das mir sehr geholfen hat: Wenn man die ganze Zeit zurückblickt, verpasst man die Dinge, die vor einem liegen. Und meistens lohnt es sich, sie kennenzulernen.“

„Kann schon sein.“ Ravin lehnte sich zurück und genoss den lauen Sommerabend. Zum ersten Mal seit einer Ewigkeit fiel die unterschwellige Anspannung von ihm ab. Zum ersten Mal seit Ewigkeiten fühlte er sich in Gegenwart eines anderen Wesens wohl.

Er lauschte dem Wind, der in den Wipfeln der Bäume rauschte und den Grillen, die ein abendliches Konzert anstimmten. Und obwohl die deutschen Wälder so anders als die feuchtwarmen Dschungel waren, genoss Ravin den leichten, würzigen Geruch der Bäume, den Duft wilder Blumen und die Ruhe, die in diesen Wäldern herrschte. Kein fernes Geschrei von Affenkolonien, kein beständiges Summen von Insekten und kein Knacken und Krachen im Unterholz. Der indische Dschungel war im Vergleich zu den deutschen Wäldern laut und intensiv, sinnesbetörend und erschlagend. Nicht, dass er ihn hasste, aber Ravin fand auch Gefallen an den stilleren, düsteren Wäldern, die eine gänzlich andere Atmosphäre ausatmeten.

Vielleicht hatte Henri recht. Vielleicht sollte er alles hinter sich lassen, sich auf die schönen Dinge konzentrieren und von vorne beginnen. Die Frage war nur, ob er das konnte. War er wirklich bereit, mit allem abzuschließen, was ihn knapp 80 Jahre lang begleitet hatte? Den Göttern den Rücken zu kehren kam ihm wie ein Verrat vor – an allem, was ihn ausmachte. Was wussten die hiesigen Menschen und Wesen schon von den Göttern, die ihm heilig waren? Von den Entbehrungen, die er auf sich genommen hatte, um ihren Segen zu erhalten und sich als Wertiger zu beweisen. Nur um an der wichtigsten und schwersten Prüfung zu scheitern …

„Hör auf einen alten Mann.“ Henri stieß ein leises Lachen aus und ließ die Schultern kreisen. „Ich habe genug erlebt, um voll und ganz hinter diesem Lebensmotto zu stehen – blicke in die Zukunft, ohne deine Vergangenheit zu vergessen.“

„Deine Weisheit in allen Ehren, aber diese Möglichkeit habe ich nicht!“, entgegnete Ravin barscher als beabsichtigt. „Ich habe der Göttin Durga einen Schwur geleistet und …“ Er verstummte und vergrub das Gesicht in den Händen. All die Ruhe, die er noch vor einem Moment verspürt hatte, war dahin. Warum konnte er nicht den Mund halten?

Weil es dich kaputt macht, Ravin. Wieder Amitas feine Stimme, die nur er hören konnte. Schon immer war sie sein Gewissen gewesen. Du musst darüber reden und es aussprechen. Viel zu lange schleppst du diese Sache mit dir herum.

„… und du hast diesen Schwur gebrochen …“ Es war keine Frage, sondern eine Feststellung.

„Woher …?“

„Wenn man so lange lebt wie ich, lernt man Menschen und Wesen kennen und weiß, was in ihnen vor sich geht.“

Sag es ihm … du kannst ihm vertrauen.

Nur kurz zögerte Ravin, dann entschied er sich, Amita zu vertrauen und auszusprechen, was ihn so lange belastet hatte: „In Indien gibt es nicht so viele Wertiger, wie du vielleicht glaubst. Da wir Einzelgänger sind und keine Gemeinschaften oder Rudel bilden, ist eine dauerhafte Verbindung oder gar Heirat zwischen Wertigern sehr selten. Du kannst dir denken, dass es kaum Nachkommen gibt, zumal nicht alle Jungen und Mädchen das heilige Ritual vollziehen, um ihr Leben der Göttin Durga zu widmen.“

Du musst mehr ins Detail gehen, sagte Amita. Er kennt die Geschichte unseres Landes nicht.

„Du musst wissen, dass die Wertiger schon immer der Göttin Durga verpflichtet waren – als Reittiere und Beschützer. Sie beten wir an, ihr widmen wir unser ganzes Leben. Wenn sich ein Junge oder ein Mädchen für den Weg des Tigers entscheidet und erstmals die Bindung zu seinem Schutzgeist aufbaut, sich in einen Tiger verwandelt, dann verpflichten sie sich, Durga zu dienen. Die jährlichen Feste und Rituale, die unzähligen Regeln – unser ganzes Sein ist danach ausgerichtet.“ Ravin stieß ein Seufzen aus. Er erinnerte sich an die strahlenden Feste, die vielen Rituale, die er durchlaufen musste, seit er sich mit Amita verbunden hatte. Nur das letzte, heiligste Ritual hatte er nicht vollziehen können – die Bindung an eine Frau, um der Göttin neue Kinder zu schenken … „Es ist ein harter Weg voller Entbehrungen …“, fuhr er stockend fort und rieb sich fröstelnd die Arme. „Viele Jugendliche entscheiden sich daher gegen den Weg des Tigers und bleiben gewöhnliche Menschen.“

„Das habe ich nicht gewusst.“ Henri schob sich etwas näher, strich mit der Hand über seine Schulter. Obwohl er ein Vampir war, strahlte die blasse Haut Wärme aus und beruhigte seine aufgewühlten Gedanken. Allein diese Berührung genügte Ravin, um mit seiner Erzählung fortzufahren.

„Zu den wichtigsten und heiligsten Pflichten eines Wertigers gehört die Ehe mit einer geeigneten Frau, um Nachkommen zu zeugen und so die Blutlinie der Wertiger fortsetzen. Liebe spielt dabei keine Rolle – es sind zumeist arrangierte Ehen. Dieses Vorgehen wird auch vom Hohen Rat Indiens unterstützt, da man alles daran setzt, den Fortbestand der Wertiger zu sichern … Sie sind stark und mächtig, einige sehr alte Wertiger gelten sogar als heilig.“ Er schluckte gegen den Kloß an, der sich in seinem Hals festsetzte und ballte die Fäuste. „Auch ich sollte mich an eine Frau binden, die heiligen Rituale durchführen und …“ Er brach ab, unfähig auszusprechen, was ihm auf der Zunge lag. Die Worte hatten zu viel von dem aufgewühlt, das er bisher tief in sich verborgen hatte. Es schmerzte wie eine frisch aufgeplatzte Wunde, nahm ihm den Atem.

„Aber du konntest nicht …“, murmelte Henri, als die Stille überhandnahm. „Falls es dich beruhigt, ich könnte auch nicht auf Kommando mit einer Frau schlafen. Im Grunde kann ich mit einem weiblichen Körper gar nichts anfangen. Mein Interesse gilt ausschließlich Männern.“

Ravin stieß ein Lachen aus, das ihm in den Ohren wehtat. Es klang verbittert und hilflos, kam tief aus seinem Inneren und legte einen Teil seiner Seele bloß. Er schloss die Augen, um Henris Blicken auszuweichen und sammelte sich. Es gab kein Zurück mehr … er musste die Worte aussprechen, die ihm so schwer auf der Seele lasteten: „Ich kann mit keinem Körper etwas anfangen … weder mit einem männlichen noch mit einem weiblichen. Sie sind gleichermaßen uninteressant für mich. Allein der Gedanke …“

Ungewollt schauderte er, gleichzeitig spürte er, wie befreiend es war, dieses intime Detail seiner Selbst zu offenbaren. Wie gut es tat, dieses Geheimnis laut auszusprechen und sich von der Last zu befreien, die ihn so lange begleitet hatte. Es war ihm egal, wie Henri darauf reagieren würde, ob er ihn für seltsam oder kaputt hielt … diese Last nicht mehr zu spüren, ließ ihn freier atmen.

Ich bin stolz auf dich, flüsterte ihm Amita ins Ohr. Es war höchste Zeit …

„Das kam jetzt unerwartet …“, sagte Henri. In seiner Stimme schwang weder Abscheu noch Zorn mit, sondern Verständnis und Neugier. Er klopfte ihm kameradschaftlich auf die Schulter. „Wenn ich ehrlich bin, erklärt das vieles. Das ist jetzt nicht wertend gemeint … ich bin der Letzte, der damit ein Problem hat. Wenn es Menschen und Wesen gibt, die geradezu süchtig nach Sex sind, warum sollte es dann nicht auch solche geben, die keinerlei Interesse danach verspüren.“ Er hob die Achseln und wickelte eine Haarsträhne um seinen Finger. „Es gibt so viele Spielarten der Liebe. Niemand hat das Recht einen anderen für das zu verurteilen, was er ist und wie es um seine oder ihre Gefühle bestellt ist.“

„Aber deswegen wurde ich verbannt.“ Ravin hatte nicht mit so viel Verständnis gerechnet. Henri reagierte anders als all die Mitglieder seiner Familie – offen und verständnisvoll. Warum war ihm plötzlich ein europäischer Vampir näher als jeder indische Wertiger?

„Dann haben wir etwas gemeinsam … Meine Familie hat mich aus unserem Landsitz verjagt, als sie mich mit einem jungen Mann erwischten – in flagranti.“

„Tatsächlich?“, hakte Ravin nach. Allmählich erwachte sein Interesse an Henri. Sie schienen mehr Gemeinsamkeiten zu haben, als er gedacht hatte.

„Ich will lieber nicht zu sehr ins Detail gehen, aber wir boten einen Anblick, den man nicht missverstehen konnte.“ Er grinste und für einen Moment blitzten seine blauen Augen in der aufziehenden Dunkelheit auf, obwohl sich Ravin sicher war, dass Henri sich nicht mit Claudine verbunden hatte.

„Kehrst du deswegen nicht nach Frankreich zurück?“

„Unter anderem. Für diese Entscheidung gab es viele Gründe … wenn wir nicht gerade im Wald sitzen und auf einen Werwolf aufpassen müssten, würde ich dir gerne mehr erzählen …“

Apropos Werwolf, mischte sich Amita ein. Du solltest wissen, dass er …

‚Nicht jetzt, Amita‘, fuhr Ravin gedanklich dazwischen. Als hätte er nicht mitbekommen, dass ihr Gefangener schon längst nicht mehr bewusstlos war. Aber das kümmerte ihn nicht. Er konzentrierte sich auf Henri, der ihn mit viel zu vielen Worten zu einem Glas Rotwein einlud. Zum ersten Mal wirkte der eloquente, selbstbewusste Vampir verunsichert. Vielleicht war ihm bewusst geworden, wie viel er selbst offenbart hatte und wie sehr es sie fortan aneinander band …

„Eine Einladung also …“

Ravin zögerte. Ging das alles nicht zu schnell? Wenn man bedachte, dass sie zum ersten Mal ernstlich miteinander sprachen, hatten sie sich nicht zu weit aus der Deckung gewagt? Zu viele intime Details preisgegeben, ohne einander wirklich zu kennen?

Henri schien zu spüren, dass er zu weit gegangen war. „Keine Sorge, Ravin. Ich habe keinerlei Hintergedanken. Ich will dir keinesfalls zu nahe treten. Ich dachte nur, wir können uns besser kennenlernen … und Freunde werden.“

Bitte zieh dich nicht zurück, Ravin. Selten hatte Amita so flehend geklungen. Sie kniete sich an seine Seite, die Hände im Schoß verschränkt. In ihrem Gesicht stand ein Ausdruck, den Ravin nie zuvor gesehen hatte. Du hast einen Schritt in die richtige Richtung gemacht. Bitte verschanze dich nicht wieder hinter deiner selbsterrichteten Mauer aus Schweigen und Einsamkeit. Ihr seid auf einem guten Weg, das spüre ich. Ihr könntet Freunde werden … und du weißt, dass du dringend jemanden brauchst, mit dem du reden kannst.

‚Woher willst du das wissen?‘

Weil ich dich kenne … viel besser als du dich selbst kennst. Ich bin deine innere Stimme, dein Instinkt und dein Gewissen. Und ich weiß, dass du jemanden brauchst.

‚Ich brauche keinen Partner …‘

Amita schüttelte den Kopf. Vielleicht nicht auf körperlicher Ebene, aber auf geistiger und seelischer. Es ist nicht so, dass du vollkommen gefühllos bist … auch du brauchst Nähe, Aufmerksamkeit und vielleicht sogar Liebe …

„Entschuldige … ich bin zu weit gegangen“, sagte Henri plötzlich und rückte von ihm ab. Die Wärme, die der Vampir verströmt hatte, verschwand. Die Kühle der Nacht bescherte Ravin eine Gänsehaut.

„Das bist du nicht“, erwiderte Ravin, bevor er sich erneut in seinem Gedankenkarussell verfing. Vielleicht war es an der Zeit, spontaner zu werden, auf Amita zu vertrauen und einen winzigen Schritt auf Henri zugehen. Er hatte lang genug wie ein Einsiedler gelebt und sich selbst Vorwürfe gemacht … „Ich würde mich freuen, dich besser kennenzulernen, Henri.“

„Sehr schön … wie wäre es …“

Vorsicht, Ravin!

Mit einem warnenden Knurren sprang plötzlich der Werwolf auf die Pfoten. Er schnappte nach Henris Hand, ohne den Vampir zu erwischen, fuhr herum und verschwand wie ein grauer Blitz zwischen den Bäumen.

„Verdammt …“, fluchte Henri. Dem Vampir schien es tatsächlich entgangen zu sein, dass der Werwolf schon seit einer Weile wach war. Im nächsten Moment änderte sich die Aura, die ihn umgab, wurde greifbarer und beeindruckender. Henri war unbestreitbar imposant und mächtig, wenn er mit seinem Schutzengel verbunden war.

„Ich kümmere mich darum.“ Ravin löste den Knoten des Dhoti und nickte Amita zu. Sofort glitt sie in ihn, füllte ihn mit ihrer Präsenz aus. Die Wandlung in einen Tiger verlief noch schneller als zuvor – Ravin spürte die Veränderung seines Körpers kaum, da war nur leise Vorfreude auf die Jagd durch den Wald und das immense Glücksgefühl wieder in seiner Tigerform zu sein.

Du hast meine Warnungen absichtlich ignoriert, erklang Amitas teils anklagende, teils amüsierte Stimme in seinem Kopf. Du wusstest, dass er die ganze Zeit wach war.

‚Kann sein …‘ Ravin stieß ein gemäßigtes Brüllen aus und streckte sich, um seine Sehnen und Muskeln zu fühlen. Er hatte gehofft, dass der Werwolf einen Fluchtversuch unternahm, um noch einmal diese Form anzunehmen. ‚Dieses Mal lasse ich mir mehr Zeit …‘

Davon bin ich ausgegangen …

Henri trat an seine Seite und strich ihm behutsam über den Kopf. Unwillkürlich rieb Ravin seinen Schädel an der schlanken, warmen Hand, genoss die Nähe des Vampirs. „Du wusstest, dass er nicht mehr bewusstlos ist, nicht wahr? Ich ahne, warum du mich nicht gewarnt hast …“ Da war kein Vorwurf in der Stimme, nur Wärme und Vertrauen. „Zu deinem Glück hat er mich nicht erwischt, ansonsten wäre meine Einladung zum Rotwein hinfällig. Im Gegenzug halte ich mich zurück und überlasse dir die Jagd. Wehe er entkommt dir!“

‚Das wird er nicht …‘, dachte Ravin und stieß ein leises Grollen aus. Er strich an Henris Bein entlang als Zeichen, dass er verstanden hatte.

Schnappen wir ihn uns, Ravin! Immerhin hat er einen Freund angegriffen, hallten Amitas Worte direkt in seinem Inneren wider.

Ravin widersprach nicht. Stattdessen spannte er die Muskeln an, bereit den Werwolf zu verfolgen und seinem neuen Freund zu beweisen, dass er sich auf ihn verlassen konnte. Jetzt und in Zukunft …

~ Ende ~

[AKTION] Schreib eine Geschichte!

Hallo in die Runde,

vor einigen Tagen rief die Autorin Karo Stein auf ihrem Blog dazu auf, spontan eine Kurzgeschichte zu schreiben, um den Leser*innen in Zeit der Corona-Epidemie einen positiven Lesegenuss und Hoffnung zu schenken. Ich fand den Aufruf so schön und so motivierend, dass ich mich heute an eine kurze Geschichte über meine beiden Magier Nazar und Kiama gesetzt habe, die lose nach den anderen Geschichten aus dem “Zwillingsmagie”-Universum spielt. Das hat jetzt den netten Nebeneffekt, dass ich ungemein viel Lust habe, mich endlich an “Zwillingsmagie” zu setzen, in der ich die gesamte Geschichte der beiden erzählen will 🙂 Ich halte euch auf dem Laufenden, was meine Arbeit an dem neuen Roman betrifft – also haltet die Augen offen.

Es ist die erste Geschichte, die ihr direkt auf meinem Blog lesen könnt – normalerweise gibt es von mir keine Geschichten online zu lesen (von Leseproben einmal abgesehen), aber in diesem besonderen Fall, mache ich mit Freuden eine Ausnahme.

Zwillingslicht (ca. 2.400 Wörter)

Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen und hoffe, die kleine Geschichte gefällt euch. Natürlich freue ich mich über Feedback, wenn ihr die Geschichte gelesen habt.

Haltet die Ohren oben und bleibt gesund,
Juliane

[KURZGESCHICHTE] Zwillingslicht

Nur ein Funke … ein winziger Lichtstrahl – war das denn wirklich schon zu viel für ihn? Brachte er nicht einmal einen simplen Lichtzauber zustande?

Enttäuscht und voller Verbitterung ließ Nazar die Hand sinken. Er schaffte es einfach nicht! Er versagte bei einem der leichtesten Zauber, den es gab. Kein Wunder, dass er nicht einmal den ersten Zaubergrad erreicht hatte und mit Anlauf durch die Prüfung gefallen war, weil er daran scheiterte, eine kleine Kugel aus Licht heraufzubeschwören. Dabei war nicht einmal die Formel das Problem – bei den meisten Zaubern genügte ihm ein Blick auf die Zauberformeln und er hatte sie verinnerlicht, ganz gleich wie kompliziert sie waren. Nur wieviel Sinn hatte es, sich die Worte eines banalen Zaubers mit Leichtigkeit zu merken, wenn er die Magielinien der Welt nicht erreichte? Sie blieben ihm verschlossen, als stünde er vor dem Eingangstor einer riesigen Mauer und hatte keinen passenden Schlüssel zur Hand.

Wobei er diesen inzwischen gefunden hatte – Kiama war sein Zugang zu den Magielinien. Seitdem sie eine leidenschaftliche Nacht im Zeichen des Zwillingsmondes verbracht hatten, waren sie miteinander verbunden. Der Zwillingsmond selbst hatte sie zusammengeschweißt und sein Zeichen in ihre Handflächen gebrannt. Seitdem konnten sie gemeinsam zaubern – Kiama, der zwar Zugang zur Magie hatte, diese jedoch nicht kontrollieren konnte und er, der wusste, wie man die Macht mit Worten bändigte.

Im Grunde eine gute Grundlage, zumal seine Meisterin Shamalla Kiama als zweiten Schüler bei sich aufgenommen hatte. Allerdings harmonierten sie menschlich nicht immer miteinander. So sehr sie beim Zaubern aufeinander angewiesen waren, so leicht gerieten sie miteinander in Streit.

Und meistens war es seine Schuld … gerade in den letzten Wochen … Anstatt sich eine gemeinsame Basis zu erarbeiten – sowohl auf emotionaler Ebene, als auch für die gemeinsame Arbeit – stieß er Kiama von sich.

Nazar ließ sich ins Gras fallen und breitete die Arme aus. Warum gelang es ihm nicht, seine Eifersucht im Zaum zu halten? Warum musste er Kiama immer wieder vor den Kopf stoßen, wenn dieser freudestrahlend von seinen Fortschritten berichtete, die er im Einzelunterricht mit Shamalla erzielte. Ihre Meisterin investierte viel Zeit, um Kiamas wilde Magie unter Kontrolle zu bringen, ihn anzuleiten, sich die ungezügelte Macht mit Hilfe von Zaubersprüchen zunutze zu machen. Während sein Mitschüler nach und nach Wege entdeckte, seine Macht zu beherrschen und sogar erste Zauber intonierte, blieb Nazar nichts. Er würde die Magielinien nicht erreichen, ganz gleich wieviel Zeit er investierte. Er war wie ein Buch voller Zaubersprüche, das niemand lesen wollte. Shamalla wusste das, ebenso wie Kiama. Wahrscheinlich war dem gesamten Magierrat diese Tatsache bewusst.

Was wurde aus ihm, wenn Kiama irgendwann in der Lage war, die Magie zu kontrollieren? Was, wenn er Nazar irgendwann nicht mehr zum Zaubern brauchte – Zwillingsmond hin oder her? Warum gab es für ihn keine Möglichkeit, seine Schwäche zu überwinden; einen Weg, um die Magielinien zu erreichen und ebenfalls ohne Kiama zu zaubern?

Vielleicht sollte er in seine Heimat zurückkehren – in das kleine Dorf am Fuße des Schattengebirges. Es würde zwar wie eine Flucht wirken, doch was blieb ihm noch. Er würde nicht ewig in der Magierstadt Almaz bleiben können, wenn er nicht einmal die erste Zauberstufe erreichte …

„Nazar?“ Eine wohlbekannte Stimme riss ihn aus den Gedanken. Er wandte den Blick zur Seite und sah zu Kiama auf, der sich neben ihn setzte. Nazar wusste nicht, wie lange der Südländer ihn beobachtet hatte … vielleicht hatte er seinen letzten erfolglosen Versuch zu zaubern, sogar beobachtet. Wut sammelte sich in ihm.

„Und? Hast du den Luftzauber geschafft, den Shamalla dir beim Frühstück beschrieben hat?“, fragte Nazar und klang frustrierter als er wollte. Ein Teil von ihm wusste, dass Kiama keine Schuld traf, er ihm Unrecht tat, doch er konnte Zorn und Enttäuschung nicht aus seiner Stimme verbannen.

„Ich weiß, dass du verstimmt bist“, antwortete Kiama, ohne auf Nazars Frage einzugehen. „Ich kann dich sogar verstehen, aber …“

Mit einem Schnauben wandte Nazar sich ab und schloss die Augen. Die Wut loderte heiß in ihm. Worte drängten seinen Hals hinauf, die er nicht sagen wollte, also schwieg er verbissen.

„Es ist nicht meine Schuld, weißt du. Wenn ich könnte …“

„Kannst du aber nicht“, fuhr Nazar dazwischen. Mit einem Ruck richtete er sich auf und konzentrierte sich auf den Lichtzauber, der ihm seit Stunden nicht gelingen wollte. Schweiß sammelte sich auf seiner Stirn, während er mit aller Macht einen Lichtfunken heraufbeschwören wollte. Für einen winzigen Moment glomm tatsächlich ein schwacher Funken über seiner ausgestreckten Hand aus, doch er verschwand sofort wieder. Lediglich eine feine Rauchschwade blieb zurück, die sich im Licht der untergehenden Sonne auflöste. „Siehst du? Ich schaffe nicht einmal den elementarsten Zauber, ganz gleich, wie sehr ich mich bemühe.“

Kiama sah ihn ausdruckslos an. Seine dunklen Augen wirkten wie schwarze Perlen in dem schmalen, ebenmäßigen Gesicht. In Nazar stritt sich der Wunsch, den Magier von sich zu stoßen, mit dem Wunsch, ihn an sich zu ziehen und zu küssen. Das war das zweite Problem, das er hatte, wenn er in Kiamas Nähe war. Diese Unausgeglichenheit, die ihn schier in den Wahnsinn trieb.

„Während du mit Shamalla Fortschritte machst, vielleicht sogar irgendwann deine wilde Magie beherrschen wirst, bleibt mir nichts … keine Möglichkeit, irgendwie aufzuholen oder es aus eigener Kraft zu schaffen. Wer weiß, in naher Zukunft wirst du vielleicht sogar ohne mich auskommen und brauchst mich nicht mehr …“, sprudelte es aus Nazar heraus. Dabei hatte er all das für sich behalten wollen. Stattdessen breitete er seine Ängste und Sorgen vor Kiama aus.

„Denkst du das wirklich?“ Eine steile Falte bildete sich zwischen Kiamas Augenbrauen. Sein Mund war zu einem schmalen Strich zusammengepresst. „Du glaubst, ich werfe all das weg, was zwischen uns entstanden ist?“

Nazar wusste nicht, wie er darauf reagieren sollte. In seinem Kopf stritt sein Stolz mit seinem Herzen, hinterließen ein einziges Gefühlschaos. Was sollte er darauf antworten? Hatte er Kiama falsch eingeschätzt? War er auf dem Holzweg, was Kiamas Unterricht betraf? Sein Stolz gewann schließlich die Oberhand, verbot ihm schon jetzt einzulenken. „Du meinst der Pakt, den der Zwillingsmond zwischen uns gesegnet hat?“

„Du bist ein Idiot, Nazar“, fauchte Kiama und schüttelte den Kopf. Der Südländer machte Anstalten aufzustehen, überlegte es sich jedoch anders und rückte näher an Nazar heran. Warmer Atem schlug ihm entgegen, als Kiama, dicht vor seinem Gesicht, fortfuhr: „Denkst du wirklich, ich bin nur deswegen hier, weil mich der Zauber eines Gottes an dich bindet, an den ich nicht einmal glaube? In meiner Heimat verehren wir die mächtigen Feuergötter der Vulkane, keine magischen Mondgötter.“

Nazar schluckte, als er den feurigen Blick des Mannes erwiderte, der seine Gefühlswelt durcheinanderbrachte. Schon seit sie sich zum ersten Mal in diesem Garten geliebt hatten; in der Nacht des Zwillingsmondes, in der alles begonnen hatte. Es waren diese Augen gewesen, die ihn gefesselt hatten, diese feurigen Blicke, die ihn gefangen nahmen und Hitze und Erregung mit sich brachten.

„Als uns dieser Traummagier angegriffen, dich in einem Albtraum gefangen gehalten hat, habe ich alles unternommen, um dich aus seinen Fängen zu befreien. Es war mir egal, wie gefährlich es war, in deine Träume einzutauchen. Ich hätte mich in ihnen verlieren können … Glaubst du wirklich, ich hätte das auf mich genommen, wenn …“ Er brach ab. Zum ersten Mal wirkte er angreifbar und verletzlich. „… wenn du mir nichts bedeuten würdest?“

Nazar versuchte den Kloß in seinem Hals hinunterzuschlucken, doch er schnürte ihm die Kehle zu. Das schlechte Gewissen sammelte sich in seinem Magen und verdrängte die schwelende Wut endgültig. Die Eifersucht und Angst hatten ihn blind gemacht, für das, was wirklich in Kiama vor sich ging … was der Südländer wirklich für ihn empfand. Und er für ihn … „Ich …“

„Und weißt du was?“ Kiama ließ ihn nicht zu Wort kommen. Er hob die Hand, murmelte etwas linkisch die Worte des Lichtzaubers, die Nazar in den letzten Stunden so oft intoniert hatte, dass er jede Silbe inzwischen verabscheute. Ein gleißender Lichtball breitete sich über Kiamas Hand aus und blendete Nazar so sehr, dass er gepeinigt zurückwich. Tränen liefen ihm über die Wangen, während grelle, rote Flecken auf seinen geschlossenen Lidern tanzten. Er hatte das Gefühl, direkt in einen Blitz hineingesehen zu haben.

„Bist du verrückt?“, keuchte er entsetzt.

Das Licht verlosch, doch Nazar wagte es nicht, die Augen zu öffnen. Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit, bis er die brennenden Lider hob und blinzelnd die letzten Lichtpunkte vertrieb. Nach und nach gewöhnten sich seine Augen wieder an die aufziehende Dunkelheit. Er sah zu Kiama, den er zunächst als verschwommene Silhouette sah, bis sich sein Blick schärfte und er das Gesicht des Südländers erkannte – die großen Augen, die hohen Wangenknochen und das markante Kinn.

„Das passiert, wenn ich den kleinen Lichtzauber wirke, den andere schon nach wenigen Tagen beherrschen“, murmelte Kiama mit einem Seufzen. „Sieht das für dich nach Kontrolle aus? Denkst du wirklich, damit könnte ich an den Prüfungen teilnehmen?“

Nazar schüttelte den Kopf. Leichter Druck machte sich in seinen Schläfen breit. Er wollte etwas sagen, doch ihm fehlten die Worte. Ausgerechnet ihm, dem es stets leichtgefallen war, mit Worten und Sätzen zu spielen.

„Bevor Shamalla mich aufgenommen und unterrichtet hat, hätte dieser simple Lichtzauber jedem in meiner Nähe erheblichen Schaden zugefügt. Du willst nicht wissen, was mit Meister Hakor passiert ist, als ich den Zauber zum ersten Mal anwandte. Wäre er nicht ein solch mächtiger Magier, das Licht hätte ihn bei lebendigem Leib verbrannt.“ Er senkte den Blick zu Boden, langes Haar fiel ihm vor die Augen. „Ich bin eine Gefahr für alle, wenn ich nicht lerne, einen Teil der Macht zu kontrollieren, auf die ich zugreifen kann.“

„Das … wusste ich nicht“, gestand Nazar.

„Nicht nur du hast Probleme mit dem Zaubern und Wirken von Magie. Und nur weil es mir nach so vielen Wochen endlich gelingt, die Macht der Magielinien ein wenig abzuschwächen, heißt das nicht …“

„… dass du es in absehbarer Zeit allein schaffst“, vollendete Nazar die leisen Worte des Mannes, den er in den letzten Tagen vollkommen falsch eingeschätzt hatte. Wahrscheinlich arbeitete Kiama deswegen so verbissen an sich, um Nazar nicht unnötig zu gefährden. Kiama hatte Recht – er war ein Idiot!

„Wahrscheinlich wird mir das nie gelingen …“, fügte Kiama nach einer Weile hinzu. „Ich schätze, zum Zaubern werde ich dich immer brauchen.“

Nazar nickte und streckte die Hand nach Kiama aus. Ihm fiel ein Stein vom Herzen, als der junge Mann näherkam und die feste Umarmung zuließ. Nazar spürte den warmen Atem auf seiner Haut, als Kiama den Kopf auf seiner Brust ablegte.

„Es tut mir leid, Kiama“, murmelte Nazar und drückte Kiama einen Kuss auf die Stirn. „Ich weiß nicht … was in mich gefahren ist.“

„Ist schon in Ordnung. Ich verstehe dich – deinen Frust, deine Angst, irgendwann überflüssig zu sein; eines Tages, nicht mehr gebraucht zu werden. Dabei werde ich dich immer brauchen, Nazar. Solange du es zulässt, bleibe ich an deiner Seite.“ Kiama schob sich höher, reckte sich ihm entgegen und suchte seine Lippen.

Nazar kam ihm nur zu gerne entgegen und erwiderte den Kuss mit aller Leidenschaft, zu der er fähig war. Er genoss die warmen Lippen, den Duft von Honig und warmen Sommerabenden, der ihm in die Nase stieg und die wohlige Wärme, die Kiama verströmte. Seine Finger spielten mit Kiamas langen dunklen Haarsträhnen, vergruben sich in ihnen und zogen den Südländer näher zu sich. Als ihm ein heiseres Stöhnen über die Lippen kam und die Hitze in seinen Lenden beinah jeden klaren Gedanken vertrieb, zog er sich schwer atmend zurück.

„Warte …“

„Du weißt, wo wir uns befinden?“, fragte Kiama mit rauer Stimme und fuhr ihm spielerisch über die Oberschenkel. Ein Schauder rann über Nazars Rücken. Es kostete ihn all seine Vernunft, nicht auf Kiamas Spiel einzusteigen. Dabei hätte er nichts lieber getan, als sich den flinken Fingern hinzugeben und Kiama mit allen Sinnen zu genießen.

„Im Garten?“, murmelte er und griff nach Kiamas Hand, die sich gefährlich nah dem Zentrum seiner Erregung genähert hatte. Er verschränkte Kiamas Finger mit seinen und schüttelte den Kopf.

„Unter diesem Baum, haben wir uns zum ersten Mal …“ Kiama ließ den Satz offen und schenkte ihm ein schiefes Grinsen. Dann rückte er näher, schmiegte sich an Nazar, dem es mit jeder Sekunde schwerer fiel, nicht auf Kiamas Avancen einzusteigen.

„Ich weiß … damals waren wir allerdings allein. Shamalla war auf dem Magierkongress und wir hatten die Villa für uns.“ Er gab Kiama einen flüchtigen Kuss und schob den Südländer schließlich von sich. „Ich habe nicht vor, ihr direkt vor Augen zu führen, was wir miteinander teilen.“

Kiama atmete tief durch und nickte schließlich. Mit einem Seufzen brachte er Abstand zwischen sie. Obwohl die letzten Sonnenstrahlen schon längst hinter den Wipfeln der Bäume verschwunden waren, hatte Nazar den Eindruck, dass Kiamas Wangen glühten. „Du hast recht. Das wäre wirklich … ungebührlich.“ Er strich sich das Haar aus dem Gesicht und schenkte Nazar ein zweideutiges Grinsen. „Setzen wir das später in meinem Zimmer fort?“

„Warum nicht gleich?“, entgegnete Nazar so schnell, dass er peinlich berührt den Kopf senkte. Es war offensichtlich, wie sehr er sich danach sehnte, mit Kiama eins zu werden. Am liebsten wäre er sofort aufgesprungen und hätte sich mit Kiama zurückgezogen. Das letzte Mal war viel zu lange her …

Kiamas leises Lachen wehte über die Wiese, während er sich erhob und Nazar mit sich zog. „Du kannst ziemlich ungeduldig sein, weißt du das?“

Nazar antwortete nicht. Kiama wusste sowieso, was in ihm vor sich ging. Er packte die Hand des Südländers fester, spürte wie sich die Symbole auf ihren Handinnenflächen kribbelnd berührten.

„Was hältst du von ein wenig Licht? Inzwischen ist es ziemlich dunkel geworden. Dann finden wir schneller den Weg ins Haus.“ Kiama trat dicht an ihn heran und gab ihm einen Kuss in den Nacken.

Nazar genoss die sanfte Berührung, konzentrierte sich auf den Lichtzauber und murmelte die verhassten Worte. Über seiner ausgestreckten Hand bildete sich eine sanft schimmernde, leicht rotierende Kugel aus Licht. Sie erhellte die nähere Umgebung, tauchte ihn und Kiama in ein warmes, hoffnungsvolles Licht und schenkte Nazar ein fast vergessenes Glücksgefühl.

„Wunderschön …“, hauchte Kiama und stieß mit dem Finger gegen das leuchtende Gebilde.

Nazar nickte. „… und erschaffen von uns beiden.“

~ Ende ~

[ANKÜNDIGUNG] Like a (bad) Dream

Hallo in die Runde,

es wird Zeit, euch endlich mein neues Herzprojekt in voller Schönheit zu präsentieren – immerhin arbeite ich seit fast einen Jahr an der neuen “Like a Dream” Benefizanthologie. Sie wird pünktlich zum 18 Geburtstag (und zufälligerweise auch zum Brexit) am 29.03.2019 erscheinen und neben 17 wundervollen Autor*innen bin auch ich mit einer Kurzgeschichte vertreten.

Doch bevor ich euch zu meinem Beitrag mehr verrate, hier erstmal die wichtigsten Informationen:

Titel: Like a (bad) Dream
Autor*innen: Elea Brandt, Barbara Corsten, Carmilla DeWinter, Jona Dreyer, Annette Juretzki, Svea Lundberg, Jobst Mahrenholz, Tanja Meurer, Jannis Plastargias, Thomas Pregel, Chris P. Rolls, S. B. Sasori, Elisa Schwarz, Juliane Seidel, Dima von Seelenburg, Dennis Stephan, J. Walther, T. A. Wegberg.
Erscheinungstermin: 29.03.2019

Klappentext:
Der Blog Like a Dream wird erwachsen – ein Grund für 18 Autor*innen, sich erneut für eine Benefizanthologie zusammenzufinden.

Wo bleiben Träume, wenn man im Copacabana Palace ums Überleben kämpft, einen Nix trifft oder seinen Auftragskiller kennenlernt? Wie befreit man seinen Geliebten aus einem Albtraum, stellt sich lange unterdrückten Sehnsüchten oder wird mit einem Dämon fertig?

18 mitreißende Geschichten voller (Alb)Träume, mal hoffnungsvoll und romantisch, mal düster und nachdenklich, zwischen Gegenwart, fernen Welten und Vergangenheit.

Der komplette Erlös geht an vielbunt e.V., die damit queeren Flüchtlingen unbürokratisch und schnell helfen.

Mit Beiträgen von: Elea Brandt, Barbara Corsten, Carmilla DeWinter, Jona Dreyer, Annette Juretzki, Svea Lundberg, Jobst Mahrenholz, Tanja Meurer, Jannis Plastargias, Thomas Pregel, Chris P. Rolls, S. B. Sasori, Elisa Schwarz, Juliane Seidel, Dima von Seelenburg, Dennis Stephan, J. Walther und T. A. Wegberg.

Folgende Autor*innen sind dabei:

Ich hoffe, ihr findet das Cover so toll wie ich – es passt zu all den Kurzgeschichten, die im Buch enthalten sind und die ihr ab Ende März lesen könnt. Bahaltet in den nächsten Tagen und Wochen Like a Dream im Blick, denn bis zum Erscheinungstermin planen wir die ein oder andere Aktion.

Viele Grüße,
Juliane

[BLOGTOUR] Fuchsgeister – Tag 5

Hallo ihr Lieben,

auch ich will ein bisschen was zur “Fuchsgeister”-Blogtour beitragen und hab mich entschieden, ein bisschen mehr zur Kurzgeschichte “Grenzenlose Liebe” zu erzählen, die im Taschenbuch als Bonusgeschichte enthalten ist (wie ihr ja wisst, gibt es in jedem Taschenbuch eine Bonusgeschichte). “Grenzenlose Liebe” ist die längte Bonusgeschichte, die ich für die Taschenbücher der “Nachtschatten”-Reihe geschrieben habe und im Gegensatz zu den anderen Kurzgeschichten steht diese nicht vollkommen für sich. Das heißt, diese Geschichte könnt ihr nur nachvollziehen, wenn ihr die Handlung der Romane “Unantastbar”, “Ungebrochen” und “Unbezwingbar” kennt. Es ist für mich die finale Kurzgeschichte der Reihe, denn darin geht es um Lilys Schutzengel Adrian und seine Liebe zu Radu, dem Vampir der Gruppe. Ich habe in der eigentlichen Geschichte um Lily und ihre Freunde diesen Nebenstrang immer wieder einfließen lassen, konnte ihn in Band 3 jedoch nicht komplett auflösen, da dafür der Platz gefehlt hat – Adrian und Radu mussten sich noch ein wenig länger gedulden, bis sie miteinander reden konnten. Dafür hat Adrian in der Kurzgeschichte endlich seine eigene Stimme, denn sie ist zum Großteil aus seiner Sicht erzählt, was mir sehr viel Spaß gemacht hat – Adrian ist nicht ohne Grund meine Lieblingsfigur der “Nachtschatten”-Reihe (trotz oder auch wegen seiner ganzen Ecken und Kanten). Und Radu mag ich auch – er ist zwar wesentlich konservativer und braucht lange, um sich auf etwas Neues einzulassen, doch ich hab ihn genauso ins Herz geschlossen, wie Adrian.

Damit ihr endlich mal ein Bild der beiden vor Augen habt, habe ich mich umgeschaut und tatsächlich männliche Models gefunden, die meiner Vorstellung von Adrian und Radu sehr nahe kommen 🙂

 

Ich weiß – beide haben langes Haar und wirken wie Licht und Schatten, aber Adrian hat nun einmal ein sehr lichtes Wesen und langes, sehr helles Haar, während Radu dem typischen Vampir-Klischee entspricht (was er unter uns gesagt, auch hegt und pflegt) 😉

Um euch noch einen kleinen Einblick in die Geschichte zu geben, habe ich noch ein paar Zitate rausgesucht, die hoffentlich nicht zu viel verraten:

Nervosität stieg in Adrian auf, wenn er bedachte, dass Radu ihn bereits in zwei Stunden abholen würde. Er löste sich von Lily und wandte sich ab. Es kam ihm fast unwirklich vor, dass der Vampir um ein Gespräch gebeten hatte. Nicht mal im Entferntesten hätte er damit gerechnet, das Radu sich noch einmal mit ihm unterhalten wollte. Warum? Und worüber? Über die Küsse, die er mit Radu geteilt hatte, als er Lilys Körper kontrollierte? Oder über die Sache in Aldwyns Villa? Es hatte Adrian fast zerrissen, als er gemerkt hatte, dass Radu seine Berührung für wenige Sekunden gespürt und seinen Kuss erwidert hatte. Für einen kurzen Moment war alles perfekt gewesen.

„Deswegen sind wir nicht hier, Adrian“, sagte Radu. „Lily und ich haben bereits sehr ausführlich darüber diskutiert, wie du vielleicht noch weißt. Immerhin warst du anwesend, als sie uns andere über Rose und die Hintergründe unterrichtet hat. Damian hat das Ganze sogar bestätigt …“
„Entschuldige.“
„Ich wollte eher wissen, wie es dir damals in Aldwyns Villa gelungen ist …“
„Ich weiß es nicht“, unterbrach Adrian ihn. „Ich weiß nur, dass ich dich unter allen Umständen aus Nazars Fängen befreien wollte.“
„Du warst kurzzeitig sichtbar, Adrian.“

Als er die warmen Lippen des Vampirs auf seinen spürte, erwiderte Adrian den sanften Kuss sofort. Mit einem Seufzen öffnete er seine Lippen und hieß die tastende Zunge willkommen, genoss die Wärme, die sich einer Explosion gleich in seinen Körper ausbreitete und die so berauschend war wie eine Droge. Binnen weniger Augenblicke wurde Radu fordernder, schob Adrian gegen die Haustür und drängte sich zwischen seine Beine. Adrian hatte Mühe, Radus plötzlich aufflammender Leidenschaft etwas entgegen zu setzen und die Kontrolle über sich und die Situation zu behalten. Zu gerne hätte er sich in Radus Berührungen verloren und für wenige Stunden alle Sorgen hinter sich gelassen. Doch das durfte er nicht … Lily vertraute ihm.

Ich hoffe, die kurzen Auszüge machen euch neugierig, insbesondere wenn ihr die anderen Bücher gelesen habt. Und keine Sorge – “Grenzenlose Liebe” ist nicht nur im Taschenbuch von “Fuchsgeister” entschieden, sondern auch in der Gesamtausgabe und des Kurzgeschichtensammelbandes.

Kommen wir zum Gewinnspiel, denn auch hier könnt ihr ein Los fürs Gewinnspiel sichern. Versucht also euer Glück und schaut auch bei den anderen Bloggern vorbei – bis zum 07.08.2018 könnt ihr noch in die Lostöpfe hüpfen und die jeweiligen Tagesfragen beantworten. Am 08.08.2018 gebe ich die Gewinner bei mir auf dem Blog bekannt.

Hier meine Frage: Wie steht ihr dazu, dass es in einem Urban Fantasy queere (schwul, lesbisch, transgender, etc.) Charaktere gibt – Adrian und Radu sind ja ein schwules Pärchen. Hab ihr damit ein Problem, oder findet ihr das in Ordnung?

Hier der vollständige Tourplan:
30.07. – Buchvorstellung “Fuchsgeister” – Bücherteufel
31.07. – Charaktervorstellung – Jane’s Kleine Ecke
01.08. – Autorenvorstellung – Fleurs Bücherwelt
02.08. – Sidhe und Feenwesen – Letannas Bücherblog
03.08. – Gewinnspielbeitrag (Überraschung) – hier
Bewerbung für die Gewinnpakete bis einschließlich 07.08. möglich
08.08 Gewinnerbekanntgabe

Gewinne:

 

Platz 1: 1x Printbuch “Fuchsgeister + 1 eBook “Nachtschatten – Gesamtausgabe” + Gimmicks
Platz 2: 1 eBook “Nachtschatten – Gesamtausgabe” + Gimmicks
Platz 3: 1 eBook “Fuchsgeister” + Gimmicks

Teilnahmebedingungen:
Teilnahme ab 18 Jahren oder mit Einverständniserklärung der Eltern.
Versand nur innerhalb von Deutschland, Österreich und der Schweiz. Für den Postversand wird keine Haftung übernommen.
Das Gewinnspiel endet am 07.08.2018 um 23:59 Uhr. Mit der Teilnahme am Gewinnspiel erklärt man sich im Gewinnfall bereit, öffentlich namentlich am Ende der Blogtour genannt zu werden.
Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
Keine Barauszahlung des Gewinnes möglich.
Das Gewinnspiel steht in keiner Verbindung mit Facebook und wird nicht von Facebook organisiert.
Der/Die Gewinner erklären sich damit einverstanden, dass seine Email Adresse bzw. Anschrift an den weitergeleitet wird, damit dieser die Gewinne versenden kann.
Die angegebenen Daten werden nur zur Übermittlung der Daten gespeichert. Danach werden alle Kontaktdaten gelöscht.

Die Gewinne werden erst nach dem 10.08.2018 versendet.

Ich wünsche euch viel Glück und bin gespannt auf eure Antworten.

Viele Grüße,
Juliane

[VERÖFFENTLICHUNG] Nachtschatten – Gesamtausgabe und Kurzgeschichten

Hallo ihr Lieben,

nach einigen kleineren Problemen bei Amazon (da war am Wochenende wohl ein Bug im System) ist endlich auch “Nachtschatten” – Kurzgeschichten Band erschienen. Leser der regulären eBooks haben somit erstmals die Möglichkeit, die Kurzgeschichten der Reihe zu lesen, die bisher nur in den Printbüchern enthalten waren. Ich freue mich sehr, dass das endlich geklappt hat. Taschenbuchfans müssen sich noch ein wenig gedulden – die Printausgabe von “Fuchsgeister” ist in der Endbearbeitung und wird hoffentlich im Sommer erscheinen. Sie wird ca. 220 Seiten stark sein und schätzungsweise 9,90€ kosten – wie immer gebe ich aber noch Bescheid, wenn es soweit ist.

Hier aber erstmal die Infos zu “Nachtschatten – Kurzgeschichten”:

Genre: Urban Fantasy / Romance / Kurzgeschichten
Umfang: 130 Seiten
Zielgruppe: ab 14/16 Jahren
Preis: 1,99 Euro
Erscheinungstermin: 04.05.2018
Verlag: Selfpublishing (eBook)

Bestellen: Amazon

Klappentext:
Für alle Fans der “Nachtschatten”-Reihe gibt es endlich sämtliche Bonusgeschichten der Taschenbücher, sowie die finale Kurzgeschichte über Adrian und Radu in einem eBook-Sammelband. Folgende Geschichten sind enthalten:

Blonder Engel (Kurzgeschichte – die Originalgeschichte des Reihe aus Sicht des Vampirs Logan)
Neue Wege (Kurzgeschichte über die Vergangenheit der Werwölfin Hannah)
Damians Geständnis (Kurzgeschichte über Lilys Mentor und Paten Damian)
Grenzenlose Liebe (die finale Kurzgeschichte über Adrian und Radu)


Auch der angekündigte Sammelband ist inzwischen erschienen – seit dem 04.05. können sich Neueinsteiger das Gesamtpaket für 7,99€ (statt 12,95€ im Einzelkauf) sichern. Ebenso kann man die Gesamtausgabe im Rahmen von Kindle Unlimited ausleihen und lesen, für alle, die ihr Bücher lieber auf diesem Weg verschlingen. Alle epub-Leser bitte ich um ein wenig Geduld – die eBooks werden in absehbarer Zeit aus dem KU-Programm genommen und auf anderen Plattformen zur Verfügung gestellt – bis dahin bitte ich um Geduld oder empfehle die Taschenbücher, die natürlich überall erhältlich sind.

Genre: Urban Fantasy / Romance
Umfang: 1.200 Seiten (eBook)
Preis: 7,99 Euro (eBook)
Erscheinungstermin: 04.05.2018
Verlag: Selfpublishing (eBook)
Bestellen: Amazon

Klappentext:
Jedes Wesen, gleich ob Mensch, Vampir, Sidhe oder Werwesen, besitzt einen Schutzengel.

Mit Bestehen der Prüfung zur Jägerin glaubt Lily, endlich das Rätsel ihrer ungeklärten Herkunft lösen zu können. Doch stattdessen wird sie plötzlich von rachsüchtigen Vampiren und größenwahnsinnigen Magiern gejagt, steht einem schier übermächtigen Gegner gegenüber und muss quer durch Europa flüchten. Selbst ihrem Schutzengel Adrian kann sie nicht mehr uneingeschränkt vertrauen, denn er hüllt sich bezüglich ihrer Vergangenheit in Schweigen.

Als sich der mysteriöse Magier Silas auf ihre Seite schlägt und ihre Freunde in die perfiden Intrigen des Orden Tenebrae verwickelt werden, kommt Lily der schrecklichen Wahrheit näher. Das grausame Komplott des Ordensmeisters Rasmus gegen alle Wesen der Schatten hängt eng mit Lilys Vergangenheit zusammen – und nicht zuletzt mit Adrian. Kann sie sich beim letzten Kampf noch auf ihn und ihre Freunde verlassen? Und auf Silas, der für sie schon längst mehr ist als ein Verbündeter?

**Die 1400 Seiten starke Gesamtausgabe der Urban Fantasy-Reihe „Nachtschatten“ enthält folgende Romane und Geschichten**
Nachtschatten – Unantastbar
Nachtschatten – Ungebrochen
Nachtschatten – Unbezwingbar
Nachtschatten – Fuchsgeister (Spin-Off – Kurzroman über Feenwesen mit japanischem Setting)
Blonder Engel (Kurzgeschichte – die Originalgeschichte des Reihe)
Neue Wege (Kurzgeschichte über die Vergangenheit der Werwölfin Hannah)
Damians Geständnis (Kurzgeschichte über Lilys Mentor und Paten Damian)
Grenzenlose Liebe (die finale Kurzgeschichte über Adrian und Radu)


Damit wünsche ich euch nun viel Spaß mit meinen Schutzengeln und bin gespannt, wie ihr die Kurzgeschichten (insbesondere die von Radu und Adrian) findet und was Neueinsteiger zum Sammelband sagen.

Sonnige Grüße aus Wiesbaden,
Juliane

 

[ANKÜNDIGUNG] Nachtschatten Kurzgeschichten

Hallo ihr Lieben,

Was wäre “Nachtschatten” ohne die Leser der ersten Stunde? Richtig – nicht das, was es heute ist. Daher ist es logisch, dass auch sie in den Genuss der Kurzgeschichten der Nachtschatten-Reihe kommen. Am kommenden Wochenende wird es also sämtliche Kurzgeschichten über Lily, Adrian und Co als Sammelband im eBook Format geben. Darin sind alle Geschichten enthalten, die es bisher nur in den Taschenbüchern gab:

Blonder Engel (Kurzgeschichte – die Originalgeschichte des Reihe)
Neue Wege (Kurzgeschichte über die Vergangenheit der Werwölfin Hannah)
Damians Geständnis (Kurzgeschichte über Lilys Mentor und Paten Damian)
Grenzenlose Liebe (die finale Kurzgeschichte über Adrian und Radu)

Das eBook wird es für 1,99€ bei Amazon geben – dieses mal ohne Vorstellung. Ich gebe Bescheid, sobald der Sammelband verfügbar ist. In diesem Zusammenhang wird das kostenfreie eBook zu “Blonder Engel” auch offline gehen. Wer es sich also noch sichern will, sollte sich beeilen.

Danke an “Casandra Krammer • Buch Cover Design” für das tolle Cover und die schnelle Unterstützung. Ich hoffe das Cover gefällt euch und ihr seid gespannt auf die finale Kurzgeschichte über Adrian und Radu.

Viele Grüße,

Juliane

Nachtschatten – letzte Kurzgeschichte

Hallo ihr Lieben,

vor einigen Tagen habe ich das letzte Mal das Wörtchen “Ende” unter eine “Nachtschatten”-Geschichte gesetzt: die Rohversion der Kurzgeschichte von Adrian und Radu steht (im Gegensatz zu einem Titel. Der fehlt mir immer noch) – damit habe ich endlich das Gespräch der beiden niederschreiben können, für das in “Unbezwingbar” kein Platz mehr war und auf das einige von euch gewartet haben. Damit sind nun auch die letzten offenen Punkte geklärt und ich kann mich mit gutem Gewissen von meinen Schutzengeln verabschieden, was ein seltsames Gefühl ist. Über fünf Jahre haben mich Lily & Co begleitet, nun heißt es Abschied nehmen – was ich mit einem lachenden und einem weinenden Auge tue. Es war toll, die Figuren zu begleiten, ihnen Leben einzuhauchen und ihre Geschichte zu erzählen. “Nachtschatten” wird für mich etwas besonderes bleiben, da es meine erste, wirklich abgeschlossene Reihe ist.

Für euch wird es die Geschichte im Mai/Juni geben, wenn die Gesamtausgabe ansteht und die Kurzgeschichtensammlung (beide eBook-Ausgaben erscheinen zeitgleich). Für Fans von Printbüchern wird es die Geschichte zusammen mit “Fuchsgeister” in einem Sonderband beim Machandel Verlag geben.

Wer weiß – vielleicht kehre ich irgendwann in die Welt von “Nachtschatten” zurück – man soll ja niemals nie sagen. In absehbarer Zeit werde ich mich jedoch auf andere Projekte konzentrieren.

Ich bin gespannt auf eure Kommentare, wenn es soweit ist. Schaut auf jeden Fall vorbei – ich werde bald mehr zu den letzten Veröffentlichungen rund um “Nachtschatten” bekannt geben.

Viele Grüße,
Juliane

[NEUIGKEITEN] Nachtschatten

Hallo ihr Lieben,

es gibt ein paar “Neuigkeiten” zur “Nachtschatten”-Reihe, die den ein oder anderen sicherlich interessieren. Die Trilogie ist zwar abgeschlossen, doch ich plane noch ein paar letzte Veröffentlichungen und eine allerletzte (Kurz)Geschichte, um wirklich alle offenen Punkte zu klären. Da sich viele gefragt haben, was denn nun aus Adrian und Radu wird und ich im Buch bereits im Nachwort angekündigt habe, dass da noch etwas kommt, könnt ihr euch im Sommer auf eine (vorerst) letzte Geschichte aus dem “Nachtschatten”-Universum freuen. In dieser wird endlich das klärende Gespräch zwischen Adrian und Radu stattfinden – aktuell schreibe ich an der Geschichte. Wie lang sie wird, kann ich nicht abschätzen, das überlasse ich ganz allein den beiden Hübschen 😉

Diese Geschichte wird in dreifacher Form erscheinen – ich denke damit werde ich alle Leser zufrieden stellen, denn ich habe folgende Veröffentlichungen geplant:

  • “Nachtschatten” Gesamtausgabe mit allen Romanen, Kurzromanen und Kurzgeschichten als eBook mit neuem Cover (für Neueinsteiger)
  • “Nachtschatten” Kurzgeschichtensammlung mit allen Bonusgeschichten, die bisher nur in den Taschenbüchern erschienen sind
  • “Nachtschatten: Fuchsgeister” inklusive Adrians und Radus Geschichte als Taschenbuch im Machandel Verlag

Damit sind sowohl die eBook-Leser, als auch die Printbuchfans in der Lage, sämtliche Geschichten der Reihe zu lesen 🙂
Ich hoffe sehr, dass euch dieser Plan zusagt – als Veröffentlichungstermin peile ich Mai/Juni an, dann wird die Reihe erstmal als eBook und Printbuch komplett vorliegen. Ob es irgendwann mehr gibt, kann ich noch nicht sagen, man soll je bekanntlich niemals nie sagen. Ehrlich gesagt spukt mir eine weitere Geschichte im “Nachtschatten”-Universum durch den Kopf; diese würde sich aber um Charaktere drehen, die bisher nur am Rande aufgetreten sind. Da ich ja neugierig bin – von wem würdet ihr gerne mehr lesen? Welche Figuren aus “Nachtschatten” brauchen eurer Meinung nach ihr eigenes Abenteuer?

Bin gespannt auf eure Antworten,

Juliane